Samstag, 11. August 2012

Vergil

Den vorderen Seiten meiner Ausgabe der Werke Vergils hatte ich, die Worte bewegten mich einst und bewegen mich bis heute, einige Zeilen einer Sequenz eingeschrieben. Sie sind entnommen einem Meßformular zu Ehren des hl. Apostels Paulus aus einem mantovanischen Missale des 15. Jahrhunderts und schildern einen - historisch nicht verbürgten - Besuch des Apostels am Grabe des Dichters:
.
Ad Maronis mausoleum
ductus fudit super eum
piæ rorem lacrimæ:
"Quem te", inquit, "reddidissem,
si te vivum invenissem,
poetarum maxime!"
.
(Geführt an des Vergilius Grab, sprach er unter einem Strom frommer Tränen: "Wozu hätte ich dich machen können, hätte ich dich lebend angetroffen, du Größter der Dichter!")
.
Vergil galt der abendländischen Christenheit über lange Zeit als eine anima naturaliter christiana und als heidnischer Herold des Erlösers - und mancher reaktionäre Katholik, wie ich einer sein mag, steht bis heute zu dieser Annahme.
.
Gereon von Pulchra ut Luna hat das schöne Vergil-Büchlein von Theodor Haecker, welches ich ebenfalls bereits gestreift hatte, gelesen und empfiehlt es hier wärmstens weiter - ein wunderschöner Beitrag, nicht nur über das Buch selbst, sondern auch in Erinnerung an einen großen katholischen Denker!

Kommentare:

Severus hat gesagt…

In der Tat sehr berührend! Mir selbst derartiges bisher unbekannt - danke!
Ist etwas bekannt über den Autor oder die Entstehung oder Herkunft dieser Sequenz? Alles natürlich nur aus dem humanistischen Epoche verständlich.

Severus hat gesagt…

Noch eine kleine bescheidene Korrektur: "Quem te reddidissem - wozu hätte ich dich machen können"

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Danke für den Hinweis! Kommt davon, wenn man zu faul ist, in den Stowasser etc. zu gucken und irgendwas zusammenschwurbelt ... ;-)

Severus hat gesagt…

Nix mit Stowasser, Du hast nur die Kasus verwechselt (quem), passiert jedem ...
Wunderbares Zeugnis europäischer Geistesgeschichte! Nochmals meine Frage: Was ist über Autor und/oder Quelle bekannt?

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Leider nicht, denn ich habe mir nur dazugeschrieben "Sentenz der St. Paulsmesse, Mantua, 15. Jh.". Womit ich noch dienen könnte, wären die Reste einer gereimten Übersetzung, die mir gleichfalls im Kopf herumschwirrt:

"Hingeführt zu Maros Grabe, / goss er frommer Zähren Gabe, / auf die Erde, sprach dazu: / Was dürft ich für dich erhoffen, / hätt' ich lebend dich getroffen, / Dich, der Dichter größter Du."