Dienstag, 7. August 2012

Katholische Gegenwartsliteratur?

Goethe-Denkmal (Detail)
Berlin, Tiergarten
Beim Schnüffeln in Wühlkisten ist mir dieser Tage der Roman Der Papst aus dem Ghetto von Gertrud von le Fort in die Hände gefallen, übrigens nebst Ernst Jüngers Afrikanische Spiele - Wühlkisten scheinen heute mitunter besser sortiert als so manche Buchhandlung.
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Aber bleiben wir bei Gertrud von le Fort - jetzt verfolgt mich der Gedanke, daß es einmal einen sehr respektablen und über den eigenen Stall hinaus angesehenen katholischen Literaturbetrieb gab, der um die Mitte des vorigen Jahrhunderts seinen Zenit freilich erreicht haben dürfte. 
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Nebst der bereits benannten Gertrud von le Fort darf man gewiß auch die Namen Reinhold Schneider oder Werner Bergengruen in Erinnerung rufen. Hinzu treten - ein Blick über Grenzen - einige Vertreter des Renouveau catholique wie Paul Claudel oder Georges Bernanos, dann aber auch in der anglo-amerikanischen Welt Graham Greene. 
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Das Ringen zwischen Gnade und (gefallener) Natur scheint mir zu den wichtigsten Motiven der entsprechenden Romane und Erzählungen zu gehören; vielleicht mit ein Grund, warum diese Literatur nach dem Zweiten Weltkrieg die Menschen besonders zu berühren schien. Und vielleicht ein Grund, warum diese Autoren und deren Arbeiten im Verlauf der 1960er-Jahre zunehmend aus der Mode kamen. Die Welt setzte alsbald auf andere Themen und Thesen und Theorien. In der Kirche wiederum schienen das gaudium und die spes zunehmend angesagter als das Bild der zerrissenen und verjammerten Menschen vor seinem Schöpfer. Aber all das ist nur Mutmaßung meinerseits.
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Dennoch überlege ich nun zeitweilig, ob es heute noch namhafte Autoren gibt, von denen man sagen könnte, sie stünden - hierzulande oder anderswo - mehr oder minder deutlich in der Tradition dieses vergangenen literarischen Phänomens? Martin Mosebach womöglich? Ich selbst kenne von ihm, eingestanden sei's, nur Häresie der Formlosigkeit. Aber das ist kein Roman. Hat jemand Vorschläge?

Kommentare:

Admiral hat gesagt…

Mir würde jetzt spontan nur "Father Elijah" von Michael O'Brian einfallen (Zum Thema "Katholische Gegenwartsliteratur").

Dachtest Du an sowas?

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Upps ... sagt mir jetzt nichts ... aber wie gesagt, was die Gegenwart betrifft, so sehe ich mich tatsächlich im Tal der Ahnungslosen.

Admiral hat gesagt…

Ist von 1996 aber die Themen sind teilweise so aktuell, daß man glauben könnte es wäre erst vor ein paar Jahren geschrieben worden.

Ist vor 2 oder 3 Jahren auf Deutsch erschienen, im fe- Verlag.

Hier eine Rezension, die ich auf die Schnelle gefunden habe:
http://www.catholicism-wow.de/pivot/entry.php?id=313

Morgenländer hat gesagt…

Die Autoren, die mir einfallen, sind zwar später als Bernanos und Graham Greene, aber meist auch schon versorben:

Da wäre einmal Brian Moore (etwa "Catholics", auf deutsch bei Diogenes erschienen); dann der US-Amerikaner Walker Percy ("The Moviegoer"); Evelyn Waugh ("Brideshead Revisited", "Helena"); und der (hichkirchliche) anglikanische Lyriker Geoffrey Hill wäre auch noch zu nennen.

Morgenländer hat gesagt…

Hm, ich warte immer noch auf den Tag, an dem es mir mal gelingt, einen Kommentar ohne Tippfehler einzustellen :-(

Also: 'verstorben' statt 'versorben'; und 'hochkirchliche' statt 'hichkirchliche'.

Zerknirschte Grüße
Morgenländer

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Danke erstmal für die Rückmeldungen! Offenbar ist im englischsprachigen Raum das Thema ein wenig präsenter.

@Morgenländer: Über "hichkirchliche" bin ich tatsächlich gestolpert. Eine sehr seltsame und wohl "gripsinterne Lautverschiebung" hat mich im ersten Augenblick was mit "kichern" lesen lassen ... ;-)

Anonym hat gesagt…

Die Romane von Mosebach selber natürlich!!

Phil hat gesagt…

Ich bin auf die Seite http://www.catholicauthors.com/ gestoßen. Da könnte man mal nachgraben, was es so gibt.