Mittwoch, 8. August 2012

Kalenderfragen - in eigener Sache

In geistlichen Fragen sorge ich eher ungern für Irritationen, aber hin und wieder passiert es doch. Gerade wurde in einem Kommentar zum letzten Beitrag der Vorschlag herangetragen, quasi den Kalender zu wechseln. Wer hier mitliest, hat wahrscheinlich bereits festgestellt, daß Sonntage auf Pro Spe Salutis nicht "im Jahreskreis", sondern "nach Pfingsten" gezählt werden, und daß sich hier Heiligenfeste ein Stelldichein geben, die seit dem Konzil an anderen Tagen (oder garnicht mehr) gefeiert werden - so wie das Fest des heiligen Pfarrers von Ars. Jetzt mag ich das aber nicht bei jedem Post immer eigens dazuschreiben ...
.
Ich tue mich - zugegeben - schwer damit, hier auf den nachkonziliaren Kalender zu wechseln. Dahinter stecken keineswegs nostalgische - kaum auch ideologische - Gründe. Die Liturgie in ihrer außerordentlichen römischen Gestalt prägt nur meinen Alltag wesentlich mehr als der nachkonziliare Ritus - vor allem durch das Stundengebets, soweit ich daran teilnehme.
..
Der tiefste Grund, warum ich dem Vorschlag kaum nachkommen kann, liegt letztlich hier: So eine Blogseite ist ja stets auch ein Spiegel dessen, von was man aktuell bewegt wird. Da zählen natürlich auch die Feste jener liturgischen Tradition dazu, welcher ich mich zugehörig zähle. Es geht also nicht einfach darum, hier den einen Kalender durch den anderen auszutauschen. Diese Seite will unter anderem von meinem Glauben erzählen und zeugen - und dieser läuft seit mehr Jahren in der "vorkonziliaren" Schiene, als er zuvor der nachkonziliaren Entwicklung entsprang. Nur bei neueren Heiligenfesten folge ich - allerdings nicht im liturgischen Vollzug - den Vorgaben des neuen Kalenders, mangels alternativer Lösung.
.
Vielleicht sollte ich irgendwo auf der Seitenleiste einen Hinweis auf die "altrituelle" Ausrichtung dieser Seite anbringen? Ob das helfen würde, Irritationen zu vermeiden?
.
Jedenfalls hoffe ich, daß der unbekannte Kommentator dennoch von Zeit zu Zeit hier gerne vorbeischaut, auch wenn ich die gewünschte Umstellung nicht vollziehen werde ...

Kommentare:

Eugenie Roth hat gesagt…

Das zu wissen ist gut. DANKE

Admiral hat gesagt…

Da Du Deine Vorgehensweise bezüglich der verschiedenen Formen des römischen Ritus ja ganz klar dargestellt hast ist meiner Meinung nach nichts weiteres nötig. Vielleicht hilft aber ein kurzer Kommentar in der Seitenleiste tatsächlich einem Neuleser sich besser zurecht zu finden (z. B. "Dieses Blog benutzt den liturgischen Kalender der außerordentlichen Form").

Ich warte noch auf den Tag, wo der hl. Vater einen einheitlichen Kalender für beide Formen ankündigt.

Konstantin hat gesagt…

Ich bin immer froh, wenn Du dieselben Heiligenfeste hast wie ich, so wie gestern beim hl. Pfr.

Warum hat der liebe Gott Hochfeste vorgegeben, wenn sein Klerus nachher den "Jahreskreis" daraus macht.

Selbst die Juden im noch unvollkommenen Alten Bund hatten keinen "Jahreskreis".

Anonym hat gesagt…

Leider kann ich Ihnen nicht recht geben. Die Heiligen gehören nicht der außerordentlichen Form, sondern die allermeisten sind auch nach der Kalenderreform vertreten. Wenn die Kirche ein Fest vom 4. auf den 8. August verschiebt, wird es wohl wenig zu Ihrer persönlichen Spiritualität beitragen. Es ist meist doch Nostalgie. (Ich z. B. "feiere" privat den hl. Thomas auch lieber im März als im Januar...) Man könnte also über einige Punkte der Revision streiten. Das Anliegen, die Fastenzeit als durchgängige Zeit ohne ständige Unterbrechungen im Sanctorale zu feiern, hatte schon Berechtigung!- Die verbale Abwertung des "Jahreskreises" ist meist Blech, denn die Bezeichnung "post Pentecostem" ist auch eine temporäre und weniger theologisch bestimmt... sozusagen eine frühere Bezeichnung des Jahreskreises.- Im übrigen ist es Sache der legitimen kirchlichen Autorität, solche Dinge zu ordnen, und dies wurde getan.
Man glaube ja nicht, ein (wünschenswerter) gemeinsamer Kalender der beiden Formen des römischen Ritus bestünde in einer simplen Neuauflage des Kalenders der forma extraordinaria.
Geschrieben am Fest der hl. Theresia Benedicta a Sancta Cruce, Edith Stein.
Der unbekannte Kommentator.

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Lieber unbekannter Kommentator,

daß die Heiligen nur der außerordentlichen Form gehören würden, habe ich auch nirgendwo behauptet (wäre ja schlimm, verhielte es sich so).

Aber: Spätestens mit SP hat der alte Kalender in der Kirche wieder sein volles Heimatreicht erlangt und steht gleichberechtigt neben der neuen Ordnung. Schauen wir mal in den gestrigen Tag hinein: Ich bete - legitimerweise - das alte Brevier am 8. August und der hl. Pfarrer von Ars begleitet mich somit durch den Tag. Hier auf dieser Seite sollte ich hingegen schon einige Tage zuvor darüber schreiben?

Anders gesagt: Dies ist eine persönlich gehaltene Seite, quasi eine Art Tagebuch eines katholischen Bloggers, der im alten Ritus zuhause ist. Es ist keine offizielle Kirchenseite. Ich hoffe, Sie können mir daher zugestehen, daß sich mein Alltag darin widerspiegelt - mein Alltag, das sind u.a.: die Heiligen, die meinen Tag gerade prägen, die Texte, die ich gerade lese, die Sonntage, wie sie mir zu feiern ankommen. Dies alles ist bei mir eben in der Regel "vorkonziliar", und das spiegelt sich natürlich in diesem "Tagebuch" entsprechend wider.

In einem freilich sind wir uns einig - eine Zusammenführung zumindest der Heiligenfeste beider Kalender wäre wünschenswert. Aber das ist erstens kein leichtes Unterfangen und zweitens die Sache Roms.

Anonym hat gesagt…

Nun, da werden wir nicht weiterkommen.
Fraglich bleibt: steht der alte Kalender wirklich "gleichberechtigt" neben der neuen Ordnung? Die eine Ordnung wird ja forma "ordinaria", die andere "extraordinaria" genannt.- Dass das Ihr blog ist und Ihre geistlichen Einsichten widerspiegelt, dagegen habe ich nichts, sonst würde ich dies ja nicht lesen. Ich finde es nur eben außerordentlich schade, daß selbst dort Zäune errichtet werden, wo sie nicht nötig wären. Nicht alles an der liturgischen Reform war Unvernunft, und es ist schade, daß Sie Ihre An- und Einsichten auch dort entlang der forma extraordinaria formulieren, wo dies gar nicht nötig wäre, d.h. wo auch der "ordinäre" Leser durchaus mitgehen könnte. Ich finde z.B. Ihre Reflexionen zu Bildern und Kirchenräumen immer sehr gut. Oder, nochmals andersrum: auch ich spiele Orgel. Wer Frescobaldi oder Muffat liebt, kannn doch zurecht sagen: o.k., das gab es und gibt es immer noch, in allen "Formen", trotz aller Unzulänglichkeiten, ...
Pax!

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Nun ja, gibt ja (zum Glück?) Schlimmeres ... ;-)

Pax!

aloysius hat gesagt…

als regelmäßiger blog-Leser, der die forma extraordinaria sehr schätzt, aber auch im novus ordo "zu Hause" ist, kann ich nur sagen: Mach Sie weiter so! Ich würde auch nicht meinen, daß es einen extra Hinweis dafür braucht, daß Si den "alten" Kalender bevorzugen; das könnte eher den Eindruck machen: "Vorsicht! Hier ist ein Tradi!"

Viele Grüße - und für Ihre bloggen herzlich Vergelt's Gott!,
aloysius

ed hat gesagt…

Nicht umsonst wurden die Kalenderreformen 1962 und 1970 auch als Verschiebebahnhöfe für Heiligenfeste bezeichnet. Diese nicht mehr nachvollziehbaren Umgestaltungen der Kirchenfeste hat zu einer enormen Verwirrung und Ahistorisierung unserer Liturgie geführt, die zum Teil bewusst mit der Tradition brechen sollte. Diesen Drang zur "Vereinfachung" und zum Durchzählen, wie man ihn auch während der jakobinischen Revolution beobachten konnte, hat sich ja bereits 1962 gezeigt als aus Simplex und Duplex auf einmal Fest 1.,2. Klasse wurden,- und wofür!?

Wolfram hat gesagt…

In gewisser Weise hänge ich ja auch am außerordentlichen Kalender, indem ich die Leseordnung meiner Heimatkirche verwende und nicht die neue vatikanische, die zu meinem übergroßen Unverständnis von einer Reihe protestantischer Kirchen, selbst derer mit wesentlich stärkerer antirömischer Tradition als in der EKD, unbesehen übernommen wurde (was dazu führte, daß die französischen Reformierten, ohne es zu wissen, vor einigen Wochen die Texte zum Johannisfest vorgesetzt bekamen!).

Ich bin mal gespannt, wie lange noch ich das "dienstlich" durchhalten kann.

Wolfram hat gesagt…

Mir ist diese Nacht noch eingefallen, darum wollte ich um Aufklärung bitten:
Mir ist vage in Erinnerung, als Sonntage "im Jahreskreis" werden sie nur gezählt, wenn kein Hochfest auf diesen Sonntag verschoben wurde, wenn auch sonst kein "besonderer" Sonntag ist, so daß dem x. Sonntag nicht unbedingt der (x+1). Sonntag sieben Tage später folgen muß.
Stimmt das, oder irre ich mich?

Die Zählung der Sonntage nach einem Hochfest (nach Weihnachten, nach Epiphanie, nach Trinitatis [wir Evangelen haben m.W. nie "nach Pfingsten" gezählt]) beschreibt jeweils einen Fest- und damit Themenkreis. Darin besteht sehr wohl eine theologische Logik, denn der Festkreis bestimmt die liturgische Farbe und gibt den Grundtenor der zugehörigen Sonntage vor.

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Wolfram, bei der Zählung der Sonntage im Jahreskreis bin ich überfragt. Ich werde morgen aber mal in Basel, wenn ich denn dran denke, mir in der Sakristei das normale Direktorium schnappen und nachschauen, wie dort zum Beispiel nach dem Johannestag weitergezählt wurde.

Das andere wäre fast mal ein schönes Thema für einen eigenen Beitrag ... Danke!

Admiral hat gesagt…

@Wolfram: es wird durchgezählt. Wenn ein Sonntag durch ein Hochfest verdrängt wird ist danach der Sonntag x+1 (mit x als Sonntagsnummer wo das HF ist).

Beispiel dieses Jahr:
17.06.: 11. So i. J.
24.06.: HF Geburt Johannes d. T.
01.07.: 13. So i. J.

Der 12. So i. J. ist also ersatzlos gestrichen worden.

Wolfram hat gesagt…

Vielen Dank, Admiral!