Sonntag, 5. August 2012

Fest Maria Schnee - Weihetag von Santa Maria Maggiore

Die Basilika Santa Maria Maggiore strahlt von Gold. Die Mosaiken an den Wänden aus dem fünften Jahrhundert, die Mosaiken in der Apsis aus den dreizehnten Jahrhundert, die mit dem ersten Gold des spanischen Amerika überzogene Decke aus dem sechehnten Jahrhundert, alles hat diesen feuerfarbenen Anflug dunklen Goldes, auf dem sich die Farben mit einer Leuchtkraft ohnegleichen zu mystischen Spielen zusammenfinden. Was soll ich ... über eine Kirche sagen, die alle anderen in Rom an Schönheit und Glorie übertrifft, vor deren Stirnseite sich die Säule aus der Maxentiusbasilika erhebt, deren Rückfront in einem grandiosen Treppenwerk zu dem equilinischen Obelisken hinterfällt, deren Schiff von vierzig monolithischen Marmorsäulen getragen wird, und für die kein Wort des Lobes ausreicht?
Schon ihre Entstehung ist an ein Wunder geknüpft. In der Nacht vom 5. auf den 6. August des Jahres 360 hatte der römische Patrizius Johannes eine Vision. Er erhielt die Weisung, dort eine Kirche zu bauen, wo er auf dem Boden seines Besitztums am nächsten Morgen Schnee finden würde. Als der Tag anbrach, war die Kuppe des Esquilin-Hügels mit Schnee bedeckt. Der Papst Liberius hatte denselben Traum, die Kirche wurde gebaut und bis auf den heutigen Tag regnen am 5. August in einer Seitenkapelle weiße Blütenblätter von der Decke herab und bedecken den geschliffenen Marmorboden mit dem Schnee Mariens.
Der Triumphbogen über dem Hochaltar trägt ein antikes Mosaik, zur Verherrlichung des Mariendogmas, das auf dem Konzil von Ephesus damals eben verkündet worden war. Oben, in der Mitte, ist der Thron Gottes in vielen Farbkreisen dargestellt, und das geöffnete Buch der Offenbarung liegt darauf. Zu beiden Seiten wird die Geschichte der Gottesmutterschaft Mariens in vielen kleinen Szenen dargestellt, und dort, wo die marmornen Säulen den Triumphbogen tragen, steigen die Städte Jerusalem und Bethlehem aus dem Goldgrund auf. Nur die Geburt Christi fehlt auf dem Mosaik - vielleicht, weil unter dem Hochaltar in der Confessio, im Mittelpunkt dieser Kirche, die Krippe verehrt wird, die einst im Stall von Bethlehem gestanden haben soll.
Reinhard Raffalt: Concerto Romano. Leben mit Rom. München 1956. S. 442 ff.
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Einige Bilder und architektonische Informationen zu Santa Maria Maggiore sind hier in der archinform-Datenbank zu finden.

1 Kommentar:

Johannes hat gesagt…

Ich liiiiebe Maria Maggiore! Besonders auch, weil ich da Pius V. besuchen kann, der dort liegt, wenn nicht wieder mal dran gebaut und restauriert wird. Danke für den Post!