Dienstag, 28. August 2012

Der Zauberschlüssel - zum Gedächtnis an Peter Wust

Und wenn Sie mich nun noch fragen sollten, bevor ich gehe und endgültig gehe, ob ich nicht einen Zauberschlüssel kenne, der einem das letzte Tor zur Weisheit des Lebens erschließen könne, dann würde ich Ihnen antworten: "Jawohl". - Und zwar ist dieser Zauberschlüssel nicht die Reflexion, wie Sie es von einem Philosophen vielleicht erwarten möchten, sondern das Gebet.
Das Gebet, als letzte Hingabe gefaßt, macht still, macht kindlich, macht objektiv. Ein Mensch wächst für mich in dem Maße immer tiefer hinein in den Raum der Humanität - nicht des Humanismus -, wie er zu beten imstande ist, wofern nur das rechte Beten gemeint ist. Gebet kennzeichnet alle letzte "Humilitas" des Geistes. Die großen Dinge des Daseins werden nur den betenden Geistern geschenkt. Beten lernen aber kann man am besten im Leiden ... Lesen Sie nach, was Seuse im Büchlein von der "göttlichen Weisheit" (1. Teil, 13. Kap.) über den Adel des zeitlichen Lebens sagt und seinen Zusammenhang mit dem Gebet.
 Am 18. Dezember 1939 verfasste der katholische Existenzphilosoph Peter Wust, von Oberkieferkrebs unheilbar und zum Tode gezeichnet, ein "Abschiedswort" an seine Schüler, aus dessen letzten Seiten obige Passage entnommen ist. Wust starb am 3. April 1940 in Münster; heute vor 128 Jahren wurde er in die Zeit geboren.

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