Montag, 6. August 2012

Der feierliche Abschluß des Hochgebets - unsere Taborstunde

Verklärung Christi
Wandbild im Hauptschiff der ehem. Abteikirche St. Marien in Gengenbach
 
Wollte man in der Heiligen Messe einen Moment suchen, der den heilsgeschichtlichen Moment der Verklärung Christi ganz besonders verdichtet und in unsere Zeit vergegenwärtigt, so wäre dieser, denke ich, am Ende des Kanons zu finden. Der Priester hält - und es ist dies die ursprüngliche elevatio, lange bereits in Übung, ehe die heilige Gabe dem Volk beim Akt der Konsekration gezeigt wurden - der Priester also erhebt Leib und Blut des Herrn und spricht:
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Durch Ihn und mit Ihm und in Ihm
wird Dir, Gott, allmächtiger Vater,
in der Einheit des Heiligen Geistes,
alle Ehre und Verherrlichung
von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.
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Was einst auf dem Tabor geschehen, erneuert sich in jeder Heiligen Messe auf dem Altar. Der Altar ist nicht allein die Stätte des Opfers, ist nicht nur Golgatha, er ist auch Berg der Verklärung. Das Hochgebet wird zum Pascha, zum Vorübergang der Heilsmysterien: Tod, Auferstehung, Himmelfahrt - Erlösung, Erneuerung, Vollendung. 
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Was die drei Jünger auf dem Berge Tabor geschaut haben, den Herrn in der Verklärung, "erklärt" sich ihnen und uns in seiner Größe und Erhabenheit erst vom Ende her, vom Blick auf den zur Rechten Gottes erhöhten Herrn. Durften Petrus, Jakobus und Johannes dies in unmittelbarer (Vor-) Schau erleben und später bezeugen, so ist uns ein Vorausblick zumindest unter dem Siegel des Mysteriums möglich: 
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Denn die dem Vater im Heiligen Geist am Ende des Kanon feierlich entbotene Gabe verweist uns auf die eschatologische Fülle, auf die Vollendung, auf - vita venturi sæculi -  das Leben der kommenden Welt; und dieses vergegenwärtigte Opfer unserer Erlösung wird durch den Vater bestätigt - auf dem Tabor wie auf dem Altar: "Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe" (Mt 17, 5). Der feierliche Abschluß des Hochgebets - unsere Taborstunde!
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Ich wäre versucht, diesen Gedanken sogar noch ein Stück weiter zu spinnen, aus dem, sagen wir einmal, Geist mittelalterlicher Deutungen der Riten der Heiligen Messe heraus. Denn unmittelbar vor der großen Doxologie steht eine Segensformel, die nicht recht ins Gefüge des Ganzen zu passen scheint:
Durch Ihn erschaffst Du, Herr, immerfort all diese Gaben, heiligst, belebst, segnest und gewährst sie uns. Durch Ihn und mit Ihm und in Ihm ...
Man geht davon aus, daß diese Formel ursprünglich Bestandteil einer Speisesegnung war und in diesem Augenblick - von den Gläubigen beim Opfergang dargebrachte - Naturalgaben gesegnet wurden: Mithin auch eine Art Erntedank, wobei von der eucharistischen mensa ein besonderer Segen auf diese Speisen übergehen sollte. 
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Ein "Erntedankgedanke" begegnet uns womöglich auch im Evangelium von der Verklärung Christi, wenn von Petrus berichtet wird, er habe drei Hütten bauen wollen: Dem Herrn "eine, Moses eine und Elias eine" (Mt 17, 4). Mitunter wird daraus der Schluß gezogen, die Verklärung habe sich zur Zeit des jüdischen Laubhüttenfestes (Sukkot) ereignet. Was aber war Ursprung und Inhalt dieses Festes? Dank und Segen für die Ernte. Wer nun mag, kann auch hier einen Bogen geschlagen sehen ...

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