Montag, 2. Juli 2012

Zuversicht - Mariä Heimsuchung und ein Sonett von Reinhold Schneider

Maria begegnet Elisabeth
Pfarrkirche St. Johannes Baptist, Oberrotweil am Kaiserstuhl
Das Fest Mariä Heimsuchung erinnert uns auch - wenn der Gedanke zugestanden sei - daran, daß wir Gott zu den Menschen tragen sollen, ja, mehr noch, daß Gott auch in uns sozusagen immer wieder neu Mensch werden möchte. Unser Weg wird wirklich zu einem "Gang durchs Gebirge" (vgl. Lk 1, 39), der jedoch weniger - wie bei Maria - von freudiger Eile geprägt, dafür umso mehr von Höhen und Tiefen bestimmt ist. Was ich damit sagen möchte: Unser Weg zum Magnificat, zur Freiheit, die Größe des Herrn und die an uns selbst erfahrene Gnade vor uns und vor anderen zu bekennen, führt immer wieder durch die vielen Momente des Scheiterns an der gestellten Herausforderung. So gesehen scheint mir ein Sonett von Reinhold Schneider gut zu diesem Tag zu passen ...
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Zuversicht
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Du bist gesegnet, dich umschirmt im Grauen
Ein heiliger Spruch, der stärker als die Not.
Es ist kein Weg; dein Weg ist das Gebot,
Wenn du gehorchst, wird es dir Brücken bauen.
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Du bist ein Bote, und du sollst vertrauen
Und das Geschick nicht fragen, das dir droht;
Dein Herz ist müde, und dein Wort ist tot,
Und doch sollst du das Siegeszeichen schauen.
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Ein andrer lebt in dir; du fachtest nicht
Das dunkle Feuer des Gerichtstags an,
Du bist es nicht, mit dem das Zeichen fällt;
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Der aus dem Abgrund heimgekehrt ins Licht,
Er siegt in dir, wie er's im Grab getan,
Und reißt dich mit und übersiegt die Welt.
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Reinhold Schneider: Die Sonette von Leben und Zeit, dem Glauben und der Geschichte. Köln und Olten 1954. S. 169.

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