Sonntag, 8. Juli 2012

Unterwegs ... Waldshut, Liebfrauen

Auf dem Heimweg von einer Gebetsnacht in Zürich-Seebach, wo ich die Orgel traktiert habe, ließ ich mir am Samstag einen Abstecher nach Waldshut, einer Stadt nicht weit vom Hochrhein, angelegen sein. Klassizistische Kirchengebäude sind in der Region eher spärlich gesät. Am ehesten finden sich Gotteshäuser im sog. "Weinbrenner-Stil", einer vom Karlsruher Baudirektor Friedrich Weinbrenner geschaffenen und von der Badischen Landesregierung in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bevorzugten Architekturform, die schlicht und kostengünstig (maledicens "einfach billig") zu realisieren war. Eine weitere wichtige Ausnahme bildet überdies das Kloster St. Blasien.
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Von dort rührte auch der Auftrag zum Neubau der Waldshuter Liebfrauenkirche her. Abt Berthold Rottler erteilte ihn 1804, zwei Jahre vor der Säkularisation der Benediktiner-Abtei, und übertrug die Aufgabe an Sebastian Fritschi, den Architekten des Klosters. Nach der Aufhebung des Klosters wurde Fritschi der Badischen Bauaufsicht unterstellt und zu Kostensenkungen verdonnert, worunter auch die Bauausführung gelitten hat. 1808 wurde das Gotteshaus benediziert; die eigentliche Weihe erteilte erst 1833 der Weih- und nachmalige Freiburger Erzbischof Herrmann von Vicari.
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Nicht zuletzt am Hochaltar ist der Einfluß des französischen Klassizimus deutlich, den vor allem Pierre Michel d’Ixnard, der Baumeister des Doms von St. Blasien, in die Region brachte. In dessen Spurten bewegte sich auch noch Fritschi. Die Seitenaltäre sind im Zuge der Säkularisation von St. Blasien nach Waldshut versetzt worden (die jeweiligen Statuen stammen jedoch aus späterer Zeit).
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Leicht jüngeren Datums ist die Taufkapelle in einem Anbau zum Gemeindehaus hin. Das dezent Weiße hinten an der Wand neben dem Grünzeug ist tatsächlich ein in die Wand eingelassenes Tabernakel; da die Halterung fürs Ewige Licht (hinterm Gebüsch) leer war, scheint es aber nicht in Gebrauch. Ansonsten dürfte zumindest den Besuchern des diesjährigen Freiburger Bloggertreffens das Konzept eines zwischen Altar und Lesepult liturgisch bespielbaren Raumes vertraut sein ...
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Apropos "liturgisch bespielbar" ... wenn Liturgen einen gottesdienstlichen Raum in alle möglichen Richtungen feiernd und kommunizierend beschreiten sollen, dann könnte man diesen doch auch wieder "nach oben" hin "bespielen", oder ...!?!
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Die Liebfrauen-Kirche verfügt zudem über ein interessantes Geläute. Nähere Informationen sind hier zu finden. 

1 Kommentar:

sophophilo hat gesagt…

Zu dem Tabernakelchen: Sieht aus wie n Sicherungskasten oder ne Kaminklappe...