Mittwoch, 25. Juli 2012

Sankt Christopherus und unsere Sumpflöcher

Sankt Christopherus
Mosaik an der Stirnseite der Sakristei
Pfarrkirche St. Blasius, Glottertal
Viel ist es nicht gerade, was über jenen Mann historisch gesichert ist, der da als Christopherus zu einem der populärsten Heiligen geworden ist. Dennoch hat er im außerordentlichen römischen Ritus seinen festen Platz im Kalender, stets am 25. Juli, als Gedächtnis der Festfeier des hl. Apostels Jakobus des Älteren sozusagen untergeschoben. 
.
Vermutlich erlitt Sankt Christopherus um die Mitte des Zweiten Jahrhunderts das Martyrium, wie eine Inschrift in Chalcedon bezeugt, wo man ihm im Fünften Jahrhundert eine Kirche weihte. Alles andere ist fromme Überlieferung, am bekanntesten jene in der Legenda Aurea bewahrte Erzählung, Christopherus habe allein dem mächtigsten und höchsten König der Welt dienen wollen. Bemerkenswerter Weise führt ihn dieser Vorsatz, dem Rat eines Einsiedlers folgend, zuletzt an einen Fluß. Hier hilft er den Menschen bei der Überquerung des tückischen Gewässers, indem er sie, ein Hüne, sicher durch die Fluten trägt. Und hier, an dieser Stelle, offenbart sich der König, den er suchte - als unscheinbares Kind:
Christopherus hob also den Knaben auf seine Schultern, ergriff seinen Stab und stieg in den Fluß, um ihn zu überqueren. Und siehe: Das Wasser im Fluß stieg allmählich immer höher, und der Knabe drückte immer mehr auf Christopherus' Schultern, daß er das Gewicht kaum mehr ertragen konnte. So bekam Christopherus große Angst und fürchtete um sein Leben. Als er nur mit Mühe den Fluß durchquert hatte und wieder herausgestiegen war, setzte er den Knaben am Ufer ab und sagte zu ihm: "Kind, du hast mich in große Gefahr gebracht und bist so schwer gewesen, daß ich wohl kaum ein größeres Gewicht gespürt, selbst wenn ich die ganze Welt auf meinen Schultern getragen hätte". Der Knabe gab ihm zur Antwort: "Wundere dich nicht darüber, Christopherus, denn du hast nicht nur die ganze Welt auf deinen Schultern getragen, sondern auch den, der die Welt erschaffen hat! Denn ich bin Christus, dein König, dem du mit dieser Arbeit dienst".
Vielleicht läßt sich aus dieser Legende eine Lehre ziehen, die womöglich so aussehen könnte: Auch wir wollen geistlich manchmal hoch hinaus, und ein glückliches Wechselspiel zwischen Natur und Gnade macht es uns leicht. 
.
Wir wollen dem höchsten König dienen ...
.
Gern greifen wir dann zum Meßbuch, zum Rosenkranz, zur Heiligen Schrift, zur geistlichen Lesung, zu was auch immer, solang es nur frommt oder zu frommen dünkt, alldieweil soviel paradisi gloria um uns herum ist oder scheint. Gott bewahre, daß ich dies hier madig machen möchte! Von Zeit zu Zeit wird es gut sein, wenn wir uns auf grünen Auen lagern können und zu stillen Wassern geleitet werden (vgl. Ps 22, 2). Jedoch mag uns rasch eine Selbstüberschätzung einholen, und - wer weiß? - plötzlich rührt unsere Stärke und Zuversicht nicht mehr so ganz und echt von der Freude am Herrn her (vgl. Neh 8, 10). Wir jedenfalls glauben Christus ergriffen zu haben und ihn zu tragen ...
.
... bis irgendwann wieder die Zeit hereinbricht, in der wir mehr als knietief durch den Fluß des Alltags waten. 
.
Allerdings erwartet er uns oft dort, wo wir ihn weniger vermuten ...
.
Gefühlt fern aller himmlischen Heerscharen übrigens und dauernder Gefährdung ausgesetzt. Und der Glaube? Er lastet auf uns, weil er unbequem ist, weil er Dinge fordert, auf die wir im Augenblick eigentlich überhaupt keine Lust haben. 
.
Aber sind dies nicht jene Augenblicke, nicht jene Herausforderungen, in welchen wir - trotz des Scheiterns in diesem oder jenem Punkt - wirklich gefragt und gefordert werden und zeigen können, welchem König wir dienen wollen? Wo er auf uns wartet und uns drängt, ihn mit durch die Brühe unserer Gottesvergessenheit zu tragen? Und wo er unsere Erwartungen, die wir sonst hegen, womöglich auch ein wenig zurecht stutzt? Der heilige Christopherus helfe als Fürsprech bei seinem und unserem König, wenn wir einmal mehr in diesen Sumpflöchern herumtappen - ora pro nobis!

Keine Kommentare: