Freitag, 29. Juni 2012

Los Wochos - eine unbrauchbare Musik-Auswahl

Die Diskussion erneut anzuzetteln, ob es überhaupt Musik geben könne, welche die Welt nicht brauche, beabsichtige ich hier keineswegs. Das einzige Problem, welches ich mit den aktuellen Los Wochos habe, besteht darin, daß ich partout nicht einsehen mag, warum ich hier Musikstücken zu - wenngleich zweifelhaftem "Ruhm" - verhelfen soll, die ich für überflüssig erachte. Man wendet schließlich keine Mühe darauf, ein Blog zu führen, der halbwegs ordentlich ausschauen soll, um dann grottigen Musikalien mit potentiell fragwürdiger optischer Beilage (vulgo: Youtube-Duchschnittsvideo) ein Forum zu bieten.
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Also werde ich meine kleine Auswahl nur verlinken, aber nicht unmittelbar präsentieren - jedoch kurz was zum "Sitz im Leben" sagen. Musik, die meines Ermessens die Welt nicht braucht ... eine Auswahl cum grano salis, die - wie man unschwer erkennen wird - vor allem schmerzhaften bis gruseligen Erfahrungen eines nebenberuflichen Kirchenmusikers geschuldet ist:
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| Weil neulich eine pastorale Weisung herangetragen wurde, darauf zu achten, daß in der außerordentlich römischen Messe in St. Antonius häufiger auch die achte Messe gesungen werde, mir aber dieser Rondo-Choral längst zu den Ohren herauskommt: Die Missa de Angelis (stellvertretend: das Kyrie). NB: Credo III kratzt gerade noch die Kurve.
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| Weil ich mich nie wieder vor besonders eifernden Seelen rechtfertigen müssen möchte, warum soooo schöne Lieder (a-d) keinen Platz in der Liturgie haben, nicht einmal vor oder nach der Feier der Heiligen Mysterien und überhaupt nicht mittendrin:
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a) Weil man das eher zur Klampfe am Lagerfeuer bei Fußwallfahrten singen sollte: Schwarze Madonna.
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b) Weil die "Englein" vor dem Tabernakel dem lieben Heiland garantiert nicht "gute Nacht" wünschen, um die "Wacht" der "ew'gen Lampe" zu überlassen und mich dieses - die ewige Liturgie des Himmels banalisierende - Süßholzgeraspel auf dem Hintergund von Jes 6, 1-4 (und da sind wir "nur" im Alten Bund!) beinahe lästerlich dünkt: Leise sinkt der Abend nieder.
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c) Weil der letzte Sonntag des Kirchenjahres angesichts der großen Kündung des Gerichtes über diese Weltzeit nicht der rechte Ort ist, um diese Botschaft auf einen protestantisch-pietistischen Erlösungssubjektivismus zu reduzieren und weil das Jüngste Gericht mutmaßlich von ganz anderem Kaliber sein wird als der Untergang der Titanic: Näher, mein Gott, zu dir.
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d) Weil kalvinistische Propaganda ("wie er das Volk des Eigentums gesegnet") oder aber unauskündbar erhunzte deutsche Übersetzungen nicht zur Liturgie passen: Du großer Gott.
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| Weil, wo Menschen sich vergessen, keineswegs "Katholischer Bumms in Reinkultur" (Catholicism Wow) rauskommt, sondern eine - zwischenzeitlich auch noch mit dem Wulff-Makel behaftete - zweifelhafte Vermengung von Natur und Übernatur: Da berühren sich Himmel und Erde.
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| Weil ich anno dunnemal genötigt wurde, bei einem Dekanats-Ministrantentag unter den Klängen von folgendem Seich in die Freiburger Martinskirche einzuziehen und ich außerdem Großkaliberkurzwaffen und anverwandte Flinten viel zu faszinierend finde, um Waffen generell "umzuschmieden": Manchmal feiern wir mitten am Tag.
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| Weil es ferner natürlich auch außerhalb der Kirche Musik gibt, welche die Welt nicht braucht:
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Blöder Beat, lächerliche Lokalbands, zweifache Zombies, plumpe Propaganda, aufgeblasene Avantgarde, massive Massenverdeppung und ich hör jetzt auf, bevor mir selber noch schlecht wird ...

Kommentare:

Freiburgbärin hat gesagt…

Absolut Spitze.
Diese Analyse eines Profis bringt die Sache auf den Punkt.

Eugenie Roth hat gesagt…

DANKE auch von mir!!!

Wolfram hat gesagt…

Hm. Solch ein Gejaul wie "du großer Gott" brauch ich nun wirklich nicht. Ich hab auch noch ein "no-go", das ich aber nicht auf jutjub gesucht habe: "Daß du mich einstimmen läßt in deinen Jubel" - die Melodie macht verdächtige Anleihen an ein bekanntes französisches Trinklied. :D

Da wünscht man sich so manches Mal, daß der kirchenmusikalische "Index" doch besser greifen möge (der den Evangelen im Bereich der UKE immerhin das Gounod'sche bachverhunzende Machwerk verbietet, auch den Wagnerschen Hochzeitsmarsch, aber im Bereich "neue Lieder" seltsam schweigsam ist).

Über mehr oder minder differenzierte Vorwürfe an die Protestanten reden wir mal bei einem Glas Wein, das Médoc ist nur eine Fährfahrt von hier. Zu "Näher, mein Gott, zu dir" sei noch dieses augenzwinkernd gesagt:

wenn ich mit meinem Kollegen fahre, singe ich bei Tempo 70 "In Gottes Namen fahren wir", bei 100 "Herr, nun selbst den Wagen halt" (Zwingli!), und bei 130 "Näher, mein Gott, zu dir"!