Freitag, 29. Juni 2012

"... in treuer Beobachtung ihrer Lehren" - Petrus und Paulus

Begegnung der hl. Apostel Petrus und Paulus
während ihrer Gefangenschaft in Rom -
Deckenbild von Franz Joseph Spiegler in der
ehem. Klosterkirche St. Peter im Schwarzwald
Wenn Zelebranten aus der Liturgie eine Art Memorandum machen, kann dies mitunter an manch Nerven zehren, ist aber keine absolut neue Vorgehensweise. Eine liturgische Reflexion der Völkerwanderung, so wird vermutet, prägt zum Beispiel die folgende alte Präfation, entnommen dem Sacramentarium Leonianum, welches uns einen Einblick in liturgische Formulare des 5. Jahrhunderts gewährt. Angesichts mancher Bedrängnis mahnt die betende Kirche ihre Gläubigen (das römische Volk), sich durch christliche Lebenshaltung des Schutzes der Apostelfürsten zu versichern. Ob uns das in den heutigen Dringlichkeiten und Drängnissen auch noch etwas zu sagen vermag?
Wahrhaft, es ist würdig und recht, billig und heilsam, daß wir dir immer und überall Dank sagen, heiliger Herr, allmächtiger Vater, ewiger Gott:
In der Voraussicht, von wie schweren Heimsuchungen unsere Stadt bedrängt würde, hast du in ihr die größten Träger der Apostelmacht beigesetzt. Wie glücklich wärest du, Rom, erkenntest du deine Beschützer und wolltest du würdig deine so gewaltigen Schirmherren feiern! Kein Feind bräche über dich herein, keine Waffen würden dich schrecken, wolltest du, in treuer Beobachtung ihrer Lehren, sie anflehen um ihren Schutz.
Denn das ist dir doch offenbar und kund: wie jene, welche schon die Sünder beschützen, die mit Gaben beschenken werden, die sich hohe Verdienste erworben. Durch Christus, unseren Herrn.
Durch ihn preisen die Engel deine Majestät, beten die Herrschaften dich an, verehren dich zitternd die Mächte. Die Himmel und die Himmelsgewalten und die seligen Seraphim feiern dich jubelnd im Chor. Laß auch uns, wir bitten dich, in ihren Lobgesang einstimmen und voll Ehrfurcht bekennen: Heilig ...
Georg Josef Strangfeld SJ (Hg.): Das Dankgebet der Kirche. Lateinische Präfationen des christlichen Altertums. Freiburg 1952. S. 88f.

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