Freitag, 22. Juni 2012

Ein Stück von Dankbarkeit und Hoffnung

Betzenhausen ist ein altes Dorf, 972 erstmals erwähnt und heute ein Stadtteil Freiburgs. Den alten Dorfkern rund um die Kirche St. Thomas kann man freilich noch gut erahnen. Heute in der Nähe unterwegs, stattete ich dem Gotteshaus und dem kleinen Friedhof drumherum einen Besuch ab. 
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Filialkirche St. Thomas - Freiburg-Betzenhausen
Bei dieser Gelegenheit wollte ich nach einem Grab sehen, nach dem Grab einer Frau, die vor manchem Jahr für mich fast zu einer Zusatz-Oma geworden war - und ich vielleicht ein Stück weit ihr Ersatz-Enkel, wer weiß? Ich war lange Zeit nicht mehr da, vielleicht zu lange. Wo ich die Grabstatt in Erinnerung hatte, war sie nicht mehr zu finden. Hatte ich mich geirrt? Ich ging den überschaubaren Gottesacker Reihe um Reihe ab, ohne Erfolg. Das Grab, in dem sie mit ihrem Mann, der einige Jahre nach ihr starb, ihre letzte Ruhe fand, scheint zwischenzeitlich aufgelöst. Die Zeit verstreicht rasch, die äußeren Male der Erinnerung verblassen, verschwinden.
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Magda Sennerich lief ich über den Weg, als ich begonnen hatte, mir mit meiner Monatskarte die Kirchen in Freiburg anzuschauen. Ich war, über den Daumen gepeilt, vielleicht zehn oder eher elf Jahre alt, und eines Tages verschlug es mich in die Pfarrkirche Heilige Familie. Frau Sennerich gehörte zu jenem Schlag tieffrommer und glaubensfroher Frauen, die sich um Pflege und Schmuck und Sakristei der Kirche kümmerten. Sie erklärte mir die Kirche, den Kirchenbau und die Ausstattung - und ich kam, wie gesagt, zu einer Zusatz-Oma. Denn bald darauf stand ich wieder bei ihr auf der Matte. Daß ich heute glaube, verdanke ich nicht zuletzt auch ihr.
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Da kein Grab mehr an sie erinnert, möchte ich es hier tun. In Dankbarkeit und Hoffnung.
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Die Seelen der Gerechten sind in Gottes Hand
und keine Qual kann sie berühren.
Sie scheinen nach dem Wahn der Toren tot zu sein;
als Unglück gilt ihr Hingang gar,
ihr Weggang schon von uns für einen Untergang.
Sie aber sind im Frieden (Weish 3, 1-3).

Kommentare:

sophophilo hat gesagt…

hm... wie kommts, dass ich noch nie in der Kirche war? Schätze der Luxus "Innenstadt" hat auch Nachteile... man kommt so selten "raus" :)

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Linie 1 bis Betzenhauser Torplatz, sag ich da nur ... ;-)

Früher war die Kirche allerdings auch meist verschlossen; heute war mal offen - allerdings kommt man nur bis unter die Empore - der Rest ist barockst vergittert.

Frischer Wind hat gesagt…

Schön, das Gedenken an einen liebgewonnenen Menschen auf diese Weise in Erinnerung zu rufen.