Donnerstag, 14. Juni 2012

Bloggertreffen: Nachwehen

In Teilen der Blogezese gings die letzten Tage - Nachwehen des Bloggertreffens - recht lebhaft zu, so zumindest mein Eindruck. Und keineswegs konfliktfrei. Ob dies daran gelegen hat, daß katholische Blogger, die sich sonst nicht unbedingt zu Bloggertreffen verabreden würden, nun an einem Tisch saßen? Mag sein. Für mich war es das erste Treffen dieser Art überhaupt - bei anderen Verabredungen davor, soweit ich diese aus der Ferne beobachten konnte, hatte ich hingegen meistens den Eindruck, daß sich eher Gleichgesinnte zusammentun.
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In Freiburg war dies nun etwas anders. Da saß ein Alte-Messe-Molch wie meinereiner, der seinen Rüssel eher ins Breviarium Romanum steckt und lieber ab und zu Theologisches oder das Mitteilungsblatt der Petrusbruderschaft oder Communio liest, Bloggern gegenüber, die, was weiß ich, liturgischen Tanz mögen, womöglich ein publik forum-Abo haben oder die Nase in Christ in der Gegenwart oder Concilium halten. Für manche war die Kapelle des Karl-Rahner-Hauses fast schon das Vorzimmer zum Himmelreich, andere betrachteten diesen Raum mit wohlmeinender bis ausdauernder Skepsis, wieder andere hätten das Interieur wahrscheinlich besser sofort als gleich auf den Sperrmüll geschmissen. 
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Die einen wollten den geplanten Gemeinschaftsblog zum Jahr des Glaubens unabdingbar dem kirchliche Lehramt verpflichtet wissen, andere plädierten für Offenheit, Mut, Freiheit, Risiko und so weiter und so fort (dazu noch irgendwann etwas zu schreiben, werde ich mir wahrscheinlich doch nicht verkneifen können). 
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Alles in allem: Jeder brachte zu diesem Treffen seinen Glauben mit, seine Sprache, seine Ansichten, seine Horizonte und - ich denke, das hat sich über alle konträren Positionen hinweg auch deutlich gezeigt - seinen guten Willen.
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An Letzteres sollte man sich in diesem Fall halten. Gerade auch in und angesichts der diversen Nachbetrachtungen. Die kamen hier und da etwas ruppig daher ... geschenkt, solange wir uns alle bewußt sind, daß wir angesichts unserer je eigenen Mängel auch bei den Mängeln anderer ein Auge zudrücken sollten und - sollte der Verdruß etwas größer sein - vergeben könnten. Fällt manchmal schwer, klar, klappt bei mir mitunter auch nur mit viel Anlauf, kann aber auch eine gute geistliche Übung sein:
Gelegenheiten, mich darin zu üben, habe ich im Laufe eines Tages unzählige. Ich werde mich ihrer bedienen, meinen Geist zu Gott zu erheben ... (sel. Johannes XXIII, geistliche Notiz vom 6. April 1903)
Norbert Kebekus hätte sich gerne gewünscht, daß die Blogozese mehr eines Herzens und Sinnes werde. Gerade das Freiburger Treffen hat hier gewisse Grenzen aufgezeigt. Das zu diesem Zweck von Norbert beschworene Diktum Tertullians "Seht, wie sie einander lieben" muß ohnehin nicht heißen, daß alles Friede und Freude und Eierkuchen werde. Konfrontationen müssen nicht nur ausgehalten, sondern manchmal wirklich ausgefochten werde, gerade auch um des Glaubens und der Kirche willen. 
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Uns katholischen Bloggern steht hier eine große Bandbreite an Tönen und Zwischentönen zu Gebot. Und wie wir wissen, macht der Ton die Musik und entscheidet, ob eine Debatte in unseren und der anderen Ohren einfach nur garstig und mißgestimmt oder eben spannend und (viel-) stimmig klingt.

Kommentare:

Bastian (Sierra Victor) hat gesagt…

Jepp.

Stanislaus hat gesagt…

Wenn ich ganz ehrlich bin, dann ist mir eine Veranstaltung wie in Freiburg mit dieser Heterogenität, wo nicht alle immer einer Meinung sind, hundertmal lieber als die typisch katholischen Veranstaltungen, wo immer "Friede, Freude, Eierkuchen" herrscht und Querulanten gar nicht erst eingeladen werden. Vielleicht ist DAS der wahre Dialogprozeß ;-)

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Da ist was dran. Wobei das Gruseligste eine bestimmte Art von Treffen gewisser Ultra-Orthodoxer sein kann.

Norbert hat gesagt…

Ich würde natürlich nie für "Friede, Freude, Eierkuchen" plädieren, aber zumindest die, die dabei waren, haben das schon richtig verstanden.

Dorothea hat gesagt…

Wenn man sich persönlich kennengelernt hat kann man Äußerungen besser im Kontext einer Person insgesamt wahrnehmen, selbst wenn die Sprache notwendig davon geprägt ist wo und wie man gelebt hat und daher vielleicht zunächst irritiert. Das führt letztlich zu einer besseren Verständigung als eine rein schriftliche Kommunikation.

Stanislaus hat gesagt…

Eine "Alle sind sich einig"-Veranstaltung ist immer langweilig, egal ob das beim ZdK, in einem katholischen Bildungshaus oder beim Forum Deutscher Katholiken ist! Eine Ausnahme ist freilich die Liturgie.

Phil hat gesagt…

Wir sind uns darin einig, uneinig zu sein. ;)