Montag, 11. Juni 2012

Bloggertreffen: lyrischer Nachklang

Am Samstagabend - für mich endete das Bloggertreffen bereits wieder, da ich am Sonntag in Basel zu tun hatte - war ich mit der Bloggerin von Frischer Wind und dem Kollegen von Pulchra ut Luna noch ein wenig in der Altstadt Freiburgs unterwegs. Ehe wir in einer Weinstube abtauchten, standen wir beim Münster mit seinem Turm ...
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Aus der verschlossenen Kirche klang die Orgel, derweil ich einige Sachen rund um die Geschichte dieses Gotteshauses erzählte, soweit mir dazu gerade etwas einfiel - wie etwa einige Verse aus einem Sonett von Reinhold Schneider, einem der bedeutenden katholischen Autoren Deutschlands seiner Zeit. Ich reiche das Gedicht hier in Gänze nach, wie ich es meinen beiden Mitbloggern versprochen hatte. 
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Von 1941 an durfte Reinhold Schneider im Dritten Reich nicht mehr publizieren; seine Texte wurden aber in anonymen Drucken unter der Hand weiter verbreitet. Das folgende Sonett dichtete Schneider 1943.
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Der Münsterturm
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Steh' unerschüttert herrlich im Gemüte,
Du großer Beter glaubensmächtiger Zeit!
Wie dich verklärt des Tages Herrlichkeit,
Wenn längst des Tages Herrlichkeit verglühte,
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So will ich bitten, daß ich treulich hüte
Das Heilige, das du ausstrahlst in den Streit
Und will ein Turm sein in der Dunkelheit,
Des Lichtes Träger, das der Welt erblühte.
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Und sollt' ich fallen in dem großen Sturm,
So sei's zum Opfer, daß noch Türme ragen
Und daß mein Volk der Wahrheit Fackel werde.
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Du wirst nicht fallen, mein geliebter Turm.
Doch wenn des Richters Blitze dich zerschlagen,
Steig in Gebeten kühner aus der Erde!
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Im Jahr darauf sanken am 27. November 1944 weite Teile der Altstadt durch Spreng- und Brandbomben in Trümmer. Das Münster überstand diesen Angriff; der Turm war nicht gefallen. Schneiders Sonett ist heute auf der unteren Galerie in Stein gemeißelt zu lesen und wird zu lesen sein, bis der Turm fällt. Er wird fallen, eines Tages spätestens ...
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... Doch wenn des Richters Blitze dich zerschlagen,
Steig in Gebeten kühner aus der Erde!

1 Kommentar:

Frischer Wind hat gesagt…

Wunderbar!
Herzlichen Dank auch für die fachkundige "Führung". Und für die Einlösung dieses Versprechens.

Es wird ein unvergesslicher Abend bleiben.