Montag, 11. Juni 2012

Bloggertreffen: Gemeinschaftsblog zum Jahr des Glaubens

Was bleibt vom Freiburger Bloggertreffen? Zu erst einmal ein starker persönlicher Eindruck; so manches Blog ist nun nicht mehr nur eine interessante Seite, die den eignen Horizont bestätigt (was in der aktuellen kirchlichen Situation zuweilen gut tut) oder gar erweitert (was generell kein Schaden ist), sondern hat auch ein Gesicht bekommen, einen Menschen entborgen, der dahinter steckt und steht. Und gäbe es nichts weiter zu diesem Treffen zu berichten - dies allein schon wäre Grund genug, um zu sagen: Es hat sich gelohnt, mit dabei zu sein. Allein deswegen sollte auch ein Dankeschön an die Organisatoren nicht unter den Tisch fallen, angefangen bei Norbert Kebekus von Freiburger Seelsorgeamt (mit diesem Wort, fürchte ich, werde ich allerdings nie warm werden) und seinem Team rund um Sende-Zeit über Hubert Schönemann von Kamp für die perspektivischen Darlegungen zum kommenden Jahr des Glaubens (11. Oktober 2012 bis 24. November 2013) bis hin zu jenem guten Geist im hiesigen Karl-Rahner-Haus, der das tägliche Brot ganz köstlich auftischte.
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Andernorts war bereits zu lesen, daß als konkrete Frucht ein Gemeinschaftsblog der Blogozese (zum Mitwirken eingeladen sind alle "Blogozesanen") zum Jahr des Glaubens entwickelt werden soll, der sich am Apostolischen Glaubensbekenntnis orientiert und monatlich bestimmte Glaubenssätze in den Mittelpunkt rücken möchte. Das Grundkonzept sieht bislang so aus:
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November: Ich glaube ...
Dezember: ... an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde, ...
Januar: ... und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, ...
Februar: ... empfangen durch den Heiligen Geist, geboren aus der Jungfrau Maria, ...
März: ... gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, ...
April: ... am dritten Tag auferstanden von den Toten, ...
Mai: ... aufgefahren in den Himmel; es sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters, ...
Juni: ... von dort wird er kommen zu richten die Lebenden und die Toten.
Juli: Ich glaube an den Heiligen Geist, ...
August: ... die heilige katholische Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, ...
September: ... Vergebung der Sünden, ...
Oktober: ... Auferstehung der Toten ...
November: ... und das ewige Leben. Amen.
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Ein solcher Beitrag der Blogozese zum Jahr des Glaubens wurde ohne Abstriche begrüßt. Ganz so einmütig ging es nicht mehr her, nachdem in Kleingruppen Gedanken zur Realisierung gesammelt wurden. Hier standen sowohl administrative Fragen (Wie ist es um Redaktion und Kommentierungsmöglichkeiten bestellt, wie soll das Kind heißen etc) als auch inhaltliche Fragen im Raum. An letzterem Punkt entzündete sich zwischen zwei konträren Positionen ein Disput.
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Eine Gruppe plädierte für eine weite Öffnung eines solchen Blogs. Gastbeiträge - etwa von Künstlern - sollten ebenso Platz finden wie unorthodoxe Deutungen und Sichtweisen bis hin zu Zweifel oder Ablehnung.
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Die Gegenposition legte hingegen Wert auf die Rückbindung der einzelnen Beiträge an das kirchliche Lehramt. Ich meinesteils schlug zum Beispiel vor, daß die Mitwirkenden an diesem Blog bei der Abfassung der Beiträge auf Text und "Geist" des Katechismus der Katholischen Kirche verpflichtet werden sollten. Selbst nicht ganz glücklich war ich mit einem anderen Vorschlag aus meiner Ecke, die Texte vor einer Veröffentlichung zu sichten und gegenzulesen (was einfach zu sehr nach Zensur riecht).
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Vielleicht hätte ich angelegentlich deutlich sagen sollen, daß es nicht darum geht, den Zweifel zum Beispiel vom Tisch zu fegen. Die Auseinandersetzung mit dem Glauben ist nicht selten (zumindest bei mir) auch eine Auseinandersetzung mit dem Zweifel. Allerdings sollte man - meines Ermessens - von einer Mitwirkung in der Tat Abstand nehmen, sofern sich der Zweifel stärker akzentuiert als das Bekenntnis zur Lehre der Kirche, welche Schrift und Tradition entfaltet. Ähnliches gilt, so jedenfalls meine Sichtweise, für eine der Kirchenlehre widersprechende Uminterpretation von Glaubenssätzen. Das besorgen etwa die Brüder und Schwestern von publik forum schon hinreichend; dazu braucht es keine Sonderaktion der Blogozese. 
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Leider ist die Diskussion etwas aus dem Ruder gelaufen, als - und diesen Vorwurf kann ich der Gegenseite nicht ersparen* - die Debatte auf eine Emotionsebene gezogen wurde. Betroffenheit ist kein Sachargument - ebensowenig hat zu irgendeiner Zeit irgendwer irgendjemandem anderen das Prädikat "katholisch" abgesprochen oder behauptet, man selbst habe das Mysterium Gottes begriffen. So gesehen ist es verständlich, daß Norbert Kebekus die Diskussion nicht - wie ursprünglich geplant - nach dem Abendessen weiterlaufen lassen wollte. Für solche Scharmützel** ist ein Bloggertreffen zu schade und die Zeit an dieser Stelle zu kostbar.
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Aber das Blog wird kommen - ohne Gastbeiträge von Außerhalb der Blogozese, aber mit der Freiheit der Blogozesanen, unterschiedlichste Formate beizusteuern (Texte, Bilder, Interviews etc). Bestimmte Beiträge - auch hier haben sich bereits Mitwirkende eingefunden - werden, damit keine Durststrecken entstehen, zu bestimmten Terminen eingereicht und veröffentlicht; anderes, wie es gerade hereinkommt. Erste Freiwillige für Redaktion und Kommentarbetreuung sind gefunden, die Namensgebung steht noch aus. Vorschläge kann man aber gewiß gerne mit in einer Mail an Sende-Zeit unterbreiten. Ich gehe davon aus, daß von dort aus die Blogozese über den Stand der Dinge auf dem Laufenden gehalten wird.
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* Ob man dies hier nun eigens thematisieren sollte, darüber mag man streiten. Aber es passt zu mustergültig zu den Erwägungen über Strategien und Techniken in Diskussionen, die ich erst jüngst hier und hier gestreift habe.
** Nachtrag: Damit meine ich grundsätzliche Grabenkämpfe, nicht die individuellen Einlassungen.

Kommentare:

Konstantin hat gesagt…

Dazu passt wohl Fr. John Hardon S.J. , dessen Seligsprechungsverfahren Raymond Kardinal Burke unterstützt. http://www.hardonsj.org/article/2012/archive-guild-update-letter.
“Much more important than the dichotomy between intelligence and education is what the shepherds teach us. Namely, that you never stand in judgment on the wisdom of God. By definition divine faith is the assent of the intellect to everything which God has revealed accepted on divine authority and not because the believing mind grasps or understands, and least of all, comprehends what God has revealed.
That is why over the centuries, beginning at Bethlehem and He has continued doing this over the centuries, God chooses the simple people to confound the self-wise. He selects by preference those with humble mind to put proud intellects to shame.
We are of course to understand what we believe, we are to grow in our grasp of what God has revealed. But, hear it, this understanding is conditioned on having a lowly estimate of our own native intelligence when confronted with the ocean of divine wisdom.
Above all, it means that we bend our minds, bend them, I've taught too many intelligent people for too many years not to know how hard it is for intellectuals to be humble, humble in mind. Ah, how much the shepherds have to teach us, they saw the Christ child and they understood.”

http://www.therealpresence.org/archives/Sacred_Scripture/Sacred_Scripture_006.htm

Andrea hat gesagt…

Das hättest du mir auch gerne am Samstag ins Gesicht sagen dürfen

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Hallo Andrea, da hast Du natürlich vom Grundsatz her völlig recht - allerdings ergeben sich solche Reflektionen oft erst, indem man ein wenig Abstand gewinnt und die Entwicklung dann Revue passieren läßt.
Der Verweis auf den Satz von Meister Eckard war je keineswegs abwegig; nur in diesem Kontext habe ich das - hinterher - als nicht unbedingt hilfreich gesehen: in der Nachbetrachtung, wenn die Summe der Teile dann zu einem Ganzen zu wachsen beginnt.

Stanislaus hat gesagt…

Mir geht es da manchmal ganz ähnlich: In einer Diskussion klingen die Argumente meist immer so schlüssig und überzeugend. Erst mit dem entsprechenden Abstand kommen dann die Zweifel und Anfragen.