Montag, 28. Mai 2012

Was Sie schon immer über Geistzungen wissen wollten, aber ...

... bisher wahrscheinlich in keiner Predigt wirklich überzeugend dargelegt bekommen haben, erklärt heute Pater Ignatius Ertl OESA. Es geht um die Frage, warum der Heilige Geist am Pfingsttag in Gestalt von Zungen herabgekommen sei ... Pater Ignatius' Erläuterungen legen Ihnen nicht nur nahe, sich baldigst einen Hund zu kaufen; nach der Lektüre dieser Predigtpassage können Sie zum Beispiel auch süße Bärchen korrekt entbinden. Der Augustiner-Eremit will Ihnen dabei gewiß keinen Bären aufbinden; er argumentiert auf der Höhe seiner Zeit - und, wer weiß? Vielleicht können Sie einige eher zeitlose und bedenkenswerte Gedanken ja mitnehmen ...
Es erschien der Heilige Geist in Zungengestalt, dann er wollte denen Aposteln weisen, daß er ankomme, unsere menschliche Seelenwunden zu heilen.
Was ist heilsamer als ein  Hundszungen?
Hundszungen? Warum jetzt Hundszungen? Was predigt
der denn da heute für ein Zeugs zusammen?
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Putto mit Bienenkorb als Allegorie auf die Redekunst
des hl. Ambrosius - an der Kanzel von St. Trudpert, Münstertal
Wann ein Hund einem beschädigten Menschen seine Wunden lecket, werden selbe bald ausheilen und haben sogar die Hund dem armen Lazaro mit ihrer Zungen  seine Geschwär und offenen Schäden gelecket und geheilet: canes veniebant et lingebant ulcera ejus.
Tut das die viehische Hundszungen, wie viel mehrers hat Gott der Heilige Geist mit seiner anheut erscheinenden Zungengestalt sowohl denen Aposteln als uns allen sündigen Menschenkindern die innere Seelenwunden geheilet? Sana, quod est saucium, singet die katholische Kirch in ihrer heutigen Sequenz, heile und mache gesund, was krank und schadhaft ist. Oder es erschien der Heilige Geist in Zungengestalt, denn er wollte allen Unform und Ungestalt von denen noch unvollkommenen Aposteln und andern Sündern hinweg nehmen und uns sametlich zu wohlgestalteten Kindern Gottes machen.
Wann die Bärin ihre Jungen wirft, so ist ihre Geburt nur ein grobes wildes Stuck Fleisch, so weder einem Bären, noch andern Tier gleich siehet. Worauf kommet der alte Bär, putzet und lecket so lang an diesem unformlichen Stuck Fleisch, bis endlich der Kopf, die Pratzen und Füß herfür kommen und ein junges Bärlein daraus wird.
Was waren die noch unvollkommenen und ungeschickte Apostel, was waren wir alle sündige Menschen vor der Ankunft des Heiligen Geistes als eine unformliche Mißgeburt, mit allen Sündernmängeln umgeben? Kaum aber ist anheut die göttliche Zungen des Heiligen Geistes über uns kommen, kaum hat uns die Gnad des Heiligen Geistes berühret, da haben sowohl die Apostel, als wir sündige Menschen, die rechte und schöne Tugendgestalt, Form und Weis der frommen auserwählten Kinder Gottes überkommen.
Der Heilige Geist hat mit seiner reformierenden Gnadenzungen alle Häßlichkeit, Grobheit und Unwissenheit von unsern Verstand, Herz und Seelen hinweg genommen und aufgehebt. Und das sei von dem Puncto gesagt, warumen Gott der Heilige Geist in Zungengestalt ob den Jüngern erschienen seie. 
Georg Lohmeier (Hg): Geistliches Donnerwetter. Bayerische Barockpredigten. München 1967.

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