Freitag, 11. Mai 2012

MM* 6: Maria in der Heiligen Messe

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In heiliger Gemeinschaft 
ehren wir dabei vor allem das Andenken 
der glorreichen, allzeit reinen Jungfrau Maria, 
der Mutter Jesu Christi, 
unseres Herrn und Gottes ...
Mit großer Ehrfurcht wird Maria genannt. So gebührt es sich. Sie hat die Opfergabe von Golgotha, das Opferlamm für das große Versöhnungsopfer bereitet. Sie hat, wie es das Vorbereitungsgebet zur Messe aussagt, dem geliebten Sohn, als er am Kreuze hing, zur Seite gestanden. Sie hat mir ihm empfunden, mit ihm geopfert. Niemand sonst hat ihm in dieser Stunde so nahe gestanden wie sie.
So können wir nicht anders als in der hora crucis, in der Stunde der Vergegenwärtigung des Kreuzesopfers, zu Maria zu rufen. Aus ihren Händen nehmen wir das Opferlamm entgegen, das wir vor das Angesicht des Vaters halten. Sie bleibt auch jetzt an der Seite des Kreuzes. An sie geht vom Gekreuzigten auch jetzt wieder die eindringliche Empfehlung: Siehe deinen Sohn - und uns weist der Herr auf sie hin: Siehe deine Mutter. Von ihr lernen wir, wie wir Christus zu tragen haben, wenn wir ihn zu den Menschen bringen. Von ihr lernen wir das entscheidende Wort der Hingabe: Ecce ancilla Domini - hier bin ich - Magd, Knecht des Herrn. Von ihr lernen wir, den Menschen, der da kommt, zu lieben.
Der Kanon ist beherrscht von einem eindrucksvollen Selbstportrait der Kirche. Durch die Nennung Marias wird diese Ekklesiologie des Hochgebetes weiter bereichert. Denn Maria ist der Typus der Ekklesia. In ihr, der Ersterlösten, der Gottesbraut und Gottesmutter, tritt die Kirche unter das Kreuz, und wir sehen im Antlitz der Kirche die Züge Mariens; denn auch die Ekklesia ist Gottesbraut und "Gottesmutter". Darum dürfen wir folgern: Auch die einzelnen Glieder der Kirche - wir alle müssen in unserem geistigen Antlitz Mariens Züge tragen, wenn wir zum Kreuze Christi in der Messe hinzu treten. Vor allem muß die Seele eines jeden im Schmuck gottesbräutlicher Liebe stehen.
Vom Kreuze aber geht für jeden eine apostolische Sendung aus, die ihn selbst zum Spender des Gotteslebens macht und ihn gleichsam so an der gottesmütterlichen Aufgabe Mariens und der Ekklesia teilnehmen läßt.
Theodor Schnitzler: Die Messe in der Betrachtung. Erster Band: Kanon und Konsekration. Freiburg 1958, Seite 187 f.
O du Mutter, Brunn der Liebe, / mich erfüll mit gleichem Triebe, / daß ich fühl' die Schmerzen dein; / daß mein Herz, im Leid entzündet, / sich mit deiner Lieb' verbindet, / um zu lieben Gott allein.
*MM: Mini-Maiandacht ... gucken, lesen, kurz innehalten ...

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