Mittwoch, 9. Mai 2012

Einwurf ... Brimborium

Einige bloggende Schwestern und Brüder stellen aktuell einen Vergleich der beiden "altrituellen" Wallfahrten zum Heiligen Rock an - und zwar mit Blick auf die Altaraufbauten, die in der profanierten Basilika Sankt Maximin notwendig wurden. Zu beiden Varianten kann man sich zum Beispiel hier bei Bartimäa einen visuellen Eindruck verschaffen.
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Manche Seiten stellen fest, die Piusbruderschaft habe das viel schöner hingekriegt als die Ecclesia-Dei-Gemeinschaften. Ich wäre versucht zu sagen: Die haben schlicht mehr Erfahrung beim Umdekorieren diverser Messehallen, Konferenzsäle und weiterer Immobilien, denn die Ortsordinarien lassen allzu gerne den Laden runter, wenn die Piusbrüder anmarschieren.
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Unzweifelhaft, der Altaraufbau der Ecclesia-Dei-Gemeinschaften erweckt einen improvisierten Eindruck. An diversen Details hätte man allemal noch feilen können, nicht der Ästhetik wegen, sondern weil er kultischer Bezirk des Opfers Christi ist. Aber: Die Begeisterung für die Dekorationsorgie der Piusbruderschaft kann ich überhaupt nicht teilen ...
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Pflanzenkübel und Blumengebinde auf jedem gefühlten Quadratmeter des Presbyteriums, dazu Draperien, einen doppelten Satz Kunsthandwerk des 19. Jahrhunderts, selbst auf die Kerzen mussten nochmals eigens schuckvollste Applikationen drauf, nur keinen Platz für liebreizendes Geschnörkel verschendet ... Das Ganze zusätzlich ausgeleuchtet mit einer Sonderration an Scheinwerfern, damit nur alles blinkt und blanzt und blitzt. Da mag viel gute Absicht dahinter stecken und alles zur höheren Ehre Gottes herangeschafft und hergetragen worden sein, trotzdem: Irgendwann laufen Ideen und Phantasie über, wird die Ausstattung zum Brimborium, gleitet alles in ein liturgisches Disney World Resort ab.
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Gerade in der Liturgie römischer Provenienz spielt der Begriff des rechten Maßes eine keineswegs nebensächliche Rolle. Weniger ist manchmal eben doch mehr.

Kommentare:

Braut des Lammes hat gesagt…

Volle Zustimmung. Rein von den Fotos her ist mir das zweite auch too much.

ed hat gesagt…

Über Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten, aber abgesehen von den Blumen finde ich die Pius-Beschmückung doch wesentlich ansprechender. Das ganze ist natürlich nicht nur irgendeine Nebensache, denn zur Liturgie gehört eben nicht nur das Buch, sondern auch die Gesten, der Gesang und ebenso der Raum und seine Gestaltung.
Sollte man sich vor Kitsch bewahren: ja. Bedeutet das auf eine würdige und schöne Ausstattung des Altares und der Kirche keinen Wert mehr zu legen? Nein!

Freiburgbärin hat gesagt…

Diese dämliche Art von „Keil zwischen die traditionalistischen Gruppierungen“ zu treiben ist mir auch schon des öfteren übel aufgefallen. Kindergartengezänk, nur dazu nützlich, dem Feind zu helfen.

Anonym hat gesagt…

Ja, ich denke, die Piusbruderschaft hat einfach mehr Übung im Organisieren und muss auch alles selbst vorhalten, weil sie von der Kirche nichts gestellt bekommt. Nebenbei: Die Ecclesia-Dei-Gemeinschaften haben sich sogar diesen schlichten Altar leihen müssen, und zwar bei der Piusbruderschaft. Zur Piusbruderschaft zu gehen oder nicht, ist für die Gläubigen meist keine Frage des Gehorsams oder der Rebellion gegenüber der Hierarchie, sondern des puren katholischen Überlebensinstinkts. Wenn man im Elternhaus verhungert, dann muss man sich sein Essen eben selbst besorgen.

Braut des Lammes hat gesagt…

Sollte man sich vor Kitsch bewahren: ja. Bedeutet das auf eine würdige und schöne Ausstattung des Altares und der Kirche keinen Wert mehr zu legen? Nein! Ed – dazwischen gibt es aber eine ganze Menge, darum ging es Pro spe salutis ja eben.

Sursum corda hat gesagt…

Beide Gruppen haben sich bemüht, jede nach ihren Möglichkeiten. Ich glaube nicht, daß es darum ging, einander "auszustechen." Über Kunst und Kitsch kann man tefflich streiten. Ich kenne in "Tradi-Kreisen" jedweder Couleur Leute, denen es nicht mittelalterlich-schlicht genug sein und ebensolche, die ohne Barock nicht leben können. Persönlich gefällt mir die Ausstattung der Pius-Bruderschaft auch besser. Aber ganz ehrlich: wir haben wichtigere Probleme!

Bartimäa hat gesagt…

Natürlich hatte mir der Tag bei Ecclesia Dei sehr gut gefallen und war ein großes Geschenk, und an dem Tag konnte ich auch noch nicht wissen, dass ich zwei Wochen später nochmal fahren würde.
Aber ganz ehrlich, als ich persönlich dann beim zweiten Mal St. Maximin betrat, hat mich der Anblick des Altares schlicht umgehauen.
So war es, und das Auge isst ja nun mal auch mit, und das ganze soll ja auch zur Ehre Gottes dienen.
Ob nun unbedingt jeder einzelne Blumenkübel sein musste, darüber mag man sich trefflich streiten, wenn man dazu Zeit hat, aber zum Beispiel die Fahnen an der Stirnwand fand ich toll, und was mir am meisten ins Auge stach, war der rote Teppich auf der Treppe (auch wenn die Kante auf dem Gang für einige zur kleinen Stolperfalle wurde). Denn - das Wort stammt original nicht von mir - aber irgendwo schaute die Treppe, die Kardinal Brandmüller hochsteigen musste, dazu im Vergleich doch wie eine Hühnerleiter aus.
Ich finde das schon ein wenig schade und verstehe diese großen Unterschiede ehrlichgesagt nicht so ganz, muss ich aber auch nicht.

Die Hl. Messen als solches waren natürlich gleich würdig, und schließlich ist man an diesem Tag doch in erster Linie zum Hl. Rock gepilgert.

tradi.nl hat gesagt…

"...ausgeleuchtet mit einer Sonderration
an Schweinwerfern..." : sicher ein Dreckfehler ;-))

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Danke für den Hinweis ... :-)