Samstag, 19. Mai 2012

Christian Weisner, Wir-sind-Kirche und das Beispiel der Niederlande

Hin und wieder bekommt man Argumentationslinien vor die Nase gesetzt, bei denen man nicht weiß, ob deren Verfechter darin dumm, verblendet oder womöglich sogar böswillig agieren. Bei Christian Weisner von Wir-sind-Kirche drängte sich diese Mutmaßung wieder einmal auf. 
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Die Schwäbische Zeitung veröffentlichte vor einigen Tagen ein Agenturgespräch mit Weisner. Abgesehen davon, daß ihm "die Rahmenbedingungen in der katholischen Kirche" offenkundig nicht zusagen, er Erzbischof Zollitsch gegen Rom und einige weitere deutsche Bischöfe auszuspielen sucht (zu Recht oder nicht, das sei dahingestellt) und für ihn die katholische Kirche ohne Luther "nicht überlebt" hätte und "im Morast versunken" wäre (was nicht nur Mt 16, 18 wider-, sondern auch einer Geschichtsspekulation vom Wert eines Windeis entspricht), also davon abgesehen haben mich die folgenden beiden Aussagen besonders beeindruckt:
Wenn die Bischöfe jedoch aus falsch verstandener Loyalität gegenüber Rom keine neuen pastoralen Lösungen finden für ihre jeweilige Kirche vor Ort, dann macht jeder Seelsorger, was er will. Das ist wie in jedem Betrieb: Wenn der Chef seiner Leitungsfunktion nicht gerecht wird, kann man nicht gut arbeiten und es läuft alles kreuz und quer.
Wie man an der Katholischen Kirche Deutschlands unschwer erkennen kann, machen schon heute - auch ohne neue pastorale Lösungen - viele Seelsorger, was sie wollen. Wenn dann alles "kreuz und quer" läuft, dann hat dies in der Tat auch damit zu tun, daß "der Chef seiner Leitungsfunktion nicht gerecht wird" - allerdings in einem ganz anderem Sinn, als Weisner hier glauben machen möchte. 
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Aber das ist nur Vorgeplänkel, über welches man hinweg lesen könnte. Denn dann steht da noch folgende Anmutung im Raum:
Wir haben das Beispiel der Niederlande, wo es in der Zeit des Konzils eine sehr aktive katholische Kirche gab. Diese Kirche ist von Rom durch konservative Bischofsernennungen an den Rand gedrängt worden, sie spielt in der holländischen Gesellschaft keine Rolle mehr.
Spätestens jetzt kann man sich nur noch an den Kopf greifen! Da wird doch - dreist oder drollig? - das eklatante Versagen dieser ganzen holländischen Reformsause den zuletzt ernannten Bischöfen in die Schuhe geschoben, die den Gaul aus jener Scheiße ziehen müssen, in den ihn diese Konzilsgeister geritten haben. 
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Wo war denn diese "aktive katholische Kirche", wo war die gesellschaftliche Relevanz dieser Konzilsgeister, als ab den 1970er-Jahren die Abtreibungskliniken im Lande ungeschoren ihr mörderisches Handwerk anboten und damit eine Vorreiterrolle in Mitteleuropa einnahmen, Abtreibungstourismus inklusive? Und wo waren sie, als dieser Praxis 1981 eine entsprechend liberale Gesetzgebung nachgereicht wurde? Die Dekadenz ließe sich fortschreiben bis ins Jahr 2001, als die Niederlande das Gesetz zur aktiven Sterbehilfe auf den Weg brachten.
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Ein Blick in den Holländischen Katechismus - diese erste niederländische Pestbeule des Konzilsgeistes erschien bereits 1966 - könnte einen Hinweis geben, wohin sich die gesellschaftliche Relevanz des holländischen Katholizismus seither verflüchtigt hat: ins schwafelnd beliebige Blabla. Daß unsere "Qualitätsmedien" Weisners geschichtsklitternden Unsinn nicht hinterfragen, spricht überdies Bände. 

Kommentare:

ed hat gesagt…

Das Label "Krätze" scheint mir hier besonders treffend!

Freiburgbärin hat gesagt…

Der deutsche Katechismus von 198x ist nur die abgemilderte Form der niederländischen Pestbeule.
Das bei uns das Ruder herumgerissen wird ist nicht zu erwarten. Siehe die jüngsten Äußerungen von Zollitsch, Fürst, Bode und Woelki.
Eine Erneuerung bei uns kann nur durch starke, gottesfürchtige Männer kommen.
Ich mache Werbung für diese Männer. Lohnt sich.
Liebe Grüße
Freiburgbärin