Dienstag, 1. Mai 2012

Brüder, zur Sonne, zur Freiheit ...

In der Zelle mußte ich die dunklen und langweiligen Wände ansehen; keine Luft kam herein. Meine Augen wurden sehr müde und ich hatte Angst, blind zu werden. Einige Schufte wurden in meine Zelle geschickt, ich wurde von ihnen geschlagen und des Essens beraubt, aber ich konnte nichts dagegen tun. Zu einer anderen Zeit ging es den anderen Häftlingen und mir ziemlich gut, wir konnten miteinander sprechen, aber sehr bald wurde ich wieder verlegt. Im Loh King Gefängnis kam ich für eineinhalb Monate in eine große Zelle, während ich im Wong Wah Gefängnis in einer Zelle von 9 qm mit acht Personen zusammenleben mußte. (...) 
Während der drei Jahre der Naturkatastrophe (1959-1962) aßen wir ein halbes Jahr lang nur Wasser-Spinat, den Rest des Jahres bekamen wir nur chinesischen Kohl. Das Gemüse hatte bereits geblüht; die Strünke waren hart und ohne Öl gekocht. Deshalb fühlte ich mich stets schwindlig. Aber ich dachte: Wenn Gott meine Seele zurücknimmt, werde ich glücklich sein, denn ich bin für die Kirche gestorben. Als ich klein war, wollte ich alles über den Sinn des Märtyrertums erfahren: sich selbst zu opfern für Gott. (...)
Jesus, Maria, Joseph - und Anna
Pfarrkirche St. Georg, Ehrenstetten
Mittags und abends vor dem Schlafen machte ich eine Gewissenserforschung und sprach: "Jesus, Maria und Joseph, ich gebe euch mein Herz und meine Seele; Jesus, Maria und Joseph, helft mir in meiner Qual".
 Dominic Tang SJ: Wie unerforschlich sind Seine Wege! Memoiren 1951-1981. Braunschweig 1992. 

Dominic Tang Yee-ming SJ wurde am 1. Oktober 1950 zum Titularbischof von Elatea und Apostolischen Administrator des Erzbistums Canton ernannt und am 13. Februar 1951 zum Bischof geweiht. Am 5. Februar 1958 wurde er inhaftiert und verbrachte über 20 Jahre in verschiedenen Gefängnissen der Volksrepublik China, ohne daß gegen ihn ein Verfahren eröffnet oder ein Urteil gesprochen worden wäre. Am 9. Juni 1980 wurde er aus der Haft entlassen. Dominic Tang Yee-ming SJ starb 1995. 

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