Sonntag, 29. April 2012

Unterwegs ... zu Unserer Lieben Frau vom Guten Rat

Am vergangenen Donnerstag, den 26. April, feierte die Erzdiözese Freiburg das Fest des hl. Trudpert, Bote des Glaubens im Breisgau. Auf diesen Tag fällt zudem das Mariengedächtnis Unserer Lieben Frau vom Guten Rat. Der hl. Trudpert ist nicht nur der Schutzheilige des nach ihm benannten Klosters, worüber ich hier schon mal was geschrieben hatte, sondern auch Patron der Berghauser Kapelle auf dem Schönberg, einem Schwarzwald-Vorgebirge südwestlich von Freiburg. Damit das Marienfest am 26. April nicht unter den Tisch falle, stellten die Altvorderen in dieser Kapelle auch eine Nachbildung des Gnadenbildes Unserer Lieben Frau vom Guten Rat auf, womit sich auch bald eine Wallfahrt verband. Alles in allem gestern Grund genug, um mal vorbeizuschauen.
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Zur kleinen Kirche gehörte ursprünglich ein längst abgegangenes Dorf, dessen Höfe um die Kapelle verstreut lagen. Nach diversen Kriegsverheerungen zogen die Bewohner zum Ende des Mittelalters vor allem zum nahe gelegenen Ebringen. 1526 wurden die beiden Pfarreien zusammengelegt, die Kirche wollte man aber nicht aufgeben - vielmehr ersetzten 1627 und 1784 Neubauten jeweils den Vorgängerbau. Heute wird die Kapelle von den sogenannten Berghauser Matten umgeben, Streuobstwiesen, die zum Naturschutzgebiet erklärt wurden.
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"Die Schöpfung ist ein Buch. / Wer's weislich lesen kann, / Dem wird darin gar fein / Der Schöpfer kund gethan" (Angelus Silesius). Also wenn die Schöpfung "ein Buch" ist, dann dürfte der literaturgeschichtliche Topos locus amoenus für diese Ecke nicht ganz unpassend sein.
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Obwohl die Kirche "ohne Dorf" ihrer eigentlichen Funktion bar war, ist die Ausstattung bemerkenswert, was der Wallfahrt geschuldet sein dürfte. Den Hochaltar dominiert ein Bild des heiligen Trudpert, die Seitenaltäre zeigen die heilige Ursula und das Bild Unserer Lieben Frau vom Guten Rat - beides Arbeiten des Freiburger Kunstmalers Dominik Weber aus dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts. Bei Restaurierungsarbeiten entdeckte man rückseitig von Webers Marienbild Spuren des ursprünglichen Wallfahrtsbildes.
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Mehrmals stand die Existenz des Gotteshauses auf der Kippe. Die Ebringer retteten die Kapelle zuerst vor dem Zugriff des Josephinismus, der gegen Ende des 17. Jahrhunderts im Zeichen der Aufklärung radikal gegen Wallfahrten, Bruderschaften und dergleichen zu Felde zog und dem nicht wenige Kirchen in der Region zum Opfer fielen, sofern diese keine pfarrlichen Funktionen hatten. Nachdem bald darauf 1806 durch die Säkularisierung die St. Gallische Klosterherrschaft von Ebringen (mitsamt der Kapelle) an das Großherzogtum Baden überging, plante man, diesmal in Karlsruhe, erneut einen Abbruch, was nur verhindert werden konnte, indem die (politische) Gemeinde Ebringen die Kirche erwarb und erhielt - bis 1921 war die das Gotteshaus sozusagen eine "kommunale" Einrichtung, danach erst ging es in den Besitz der Kirche über. Neue Gefahren zogen auf, nachdem die Deutsche Wehrmacht von 1938 bis 1940 Stück um Stück Land auf den Berghauser Matten erwarb, um dort einen Truppenübungsplatz einzurichten. Dem Einsatz des Ebringer Pfarrers ist es zu verdanken, daß die Kapelle auch dieses Ansinnen heil überstand.
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Was hat es eigentlich mit diesem Fest Unserer Lieben Frau vom Guten Rat auf sich? Ein paar Worte dazu:
Die Uranfänge der Verehrung der lieben Gottesmutter unter dem Titel "Maria vom Guten Rat" gehen auf eine Legende zurück. Danach soll das Bild unserer Lieben Frau von Genazzano, unweit von Palestrina, auf wunderbare Weise von Albanien nach Italien versetzt worden sein. Zwei Christen, die das Bild vor dem Zugriff der Muselmanen retten wollten, nahmen es mit über das Adritatische Meer und ließen es in einer Augustinerkirche zurück. Dies soll im Jahre 1467 geschehen sein.
Geschichtlich steht folgendes fest: Dieses Bild wurde 1682 vom Kapitel der vatikanischen Basilika gekrönt, und auch der Titel: Unsere Liebe Frau vom Guten Rat ist bereits im 17. Jahrhundert bekannt. Pius VI. gestattete dieses Marienfest im Jahre 1789 dem ganzen Augustinerorden und setzte den 26. April als Festtag ein. Seither gewann dieses Fest immer mehr an Beliebtheit und wird heute in verschiedenen Diözesen gefeiert.
Leo XIII., der aus der weiteren Umgebung von Genazzano stammt, gab diesem Marienfest eine besondere Bedeutung, indem er die Anrufung "Mutter vom Guten Rat" in die Lauretanische Litanei aufnahm.
Carl Feckes: So feiert dich die Kirche. Maria im Kranz ihrer Feste. Kaldenkirchen 1957, 39. 
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Wenn ich das Bild näher betrachte, habe ich so meine eigene These, wie man auf diesen Titel kommen könnte. Auf dem Original - wie auf allen Nachahmungen - schmiegt sich das Jesusknabe besonders eng an die Wange Mariens. Es braucht nur wenig Phantasie, um sich vorzustellen, wie das Kind, bittet jemand Maria um Rat und Hilfe, der Mutter schnell den passenden Tipp ins Ohr flüstert. Diese Vorstellung finde ich, ich sag's mal so: irgendwie sympathisch.
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Zum traditionell katholischen Andachtsschatz zählt das folgende schöne Gebet, das mir ein in der Kapelle ausliegendes Andachtsbild wieder in Erinnerung rief:
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Mutter mit dem Jesuskinde, 
Mutter du vom Guten Rat,
wenn ich keinen Ausweg finde,
zeig' du mir den rechten Pfad.
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Wohl in den verschied'nen Lagen
meines Lebens steh' mir bei,
dann vermag ich stets zu sagen,
daß ich gut beraten sei.
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Doch vernimm jetzt meinen Willen,
den ich zeige durch die Tat:
Immer möge ich erfüllen,
Mutter, deinen guten Rat.
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Auf dem Rückweg entdeckte ich dann weitere Schönheiten aus Flora und Fauna. Eines muß ich ja sagen: Ich war gut beraten, diese kleine Tour zu unternehmen ...
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