Sonntag, 1. April 2012

Palmsonntag in St. Anton

... Das ist der tiefste Grund für die Freude der Ekklesia, das erklärt die Symbolik ihres Tuns am heutigen Tage. Abermals feiert sie einen Advent, und mehr als der frühere macht dieser sichtbar, was es um das Kommen Gottes ist: als Leidender kommt er, um zu heilen; als Unterliegender, um zu siegen; als Sterbender, um ewiges Leben zu spenden. Mehr auch als der frühere schließt dieser Advent die Parusie in sich, das letzte Kommen des Herrn am Ende der Zeiten ...
... Denn wie er heute der Kirche erscheint, glorreich im Glanze des Sieges und der Auferstehung, so wird er am Ende kommen vor den Augen der ganzen Welt. Dann eilen die Guten ihm entgegen mit Palmen- und Ölzweigen, das heißt: mit ihren guten Werken, mit ihren Siegen über Welt und Sünde. Daran erkennt Christus sie als die Seinen und schreitet mit ihnen zur ewigen Hochzeit. 
Diesen himmlischen Brautzug, den der Herr kurz vor seinem Tode im Gleichnis von den zehn Jungfrauen schildert, will die symbolische Prozession der Palmsonntagsliturgie darstellen. Darum klopft ihr Führer mit dem Kreuzstab an die verschlossene Kirchentür, während von drinnen das Preislied der Sänger erschallt:
"Herrlichkeit, Lob und Ehre sei dir, König Christus, Erlöser!"
So erscheint im symbolischen Bilde vorausgenommen, was sich am Ende verwirklichen wird: das Kreuz des Herrn öffnet den Guten das Tor der ewigen Stadt; der Lobgesang der Engelheere grüßt den Sieger über Tod und Hölle als Fürsten des Lebens; als Braut im königlichen Schmucke der Vollendung geleitet die Kirche ihren Herrn und Bräutigam zum Throne des Vaters, um ewig mit ihm zu herrschen.
 Aemiliana Löhr OSB: Das Herrenjahr. Das Mysterium Christi im Jahreskreis der Kirche. 2. Band der vierten Auflage. Regensburg 1942. 13f.

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