Samstag, 14. April 2012

My weekly Wochenschau ... mit Weiberschelte

Manchmal ist's schon zum Weinen. Aber Männer sollen so was ja nicht. Und wenn's die Frauen tun, dann haben zumindest bayerische Barockprediger keine allzu hohe Meinung davon:
Was sage ich von vergeblichen Weiberzähren? Wie oft weinen die Weiber um eine eitle Larifari-Sach, ja wohl um ein unvernünftiges Vieh? Also hat die Kaiserin Poppea einen toten Papagei, Octavia eine Nachtigall, Aemilia einen Affen, Sabina ein Polsterhündlein, Leandra eine Hauskatz, Fabiola ein verrecktes Schaf ganz bitterlich beweinet! (Pater Ignatius Ertl, 1645 - 1713)
Weil wir gerade dabei sind - Poppea! Die kommt auch in Agrippina vor, der am Mittwoch erworbenen Oper von Händel. Und da herrscht eingangs gleichfalls Katzenjammer, aber bei Agrippina höchstselbst; "Weiberzähren" halt, nachdem ihr die Nachricht vom (vermeintlichen) Tod ihres kaiserlichen Gatten Claudius überbracht ward. Dazu sinnet sie im gleichen Atemzug, wie ihrem Sohnemann Nero der Thron zu sichern sei. Der, so ihr Rat, soll sich beim Volk schon mal beliebt machen gehen und Almosen verteilen, um Stimmen zu sammeln. Und dann hat Agrippina diesen Wahnsinns-Tipp auf Lager:
... se vuoi regnar, i tuoi desir correggi, / che al desio di regnar cedon le leggi.
... wenn du regieren willst, verbessere deine Wünsche, / weil dein Wunsch zu regieren oberstes Gesetz sein muß. 
Eigene "Wünsche verbessern" .... die Alte hat aber auch einen an der Klatsche. Die Damen Merkel, Roth, Leutheuser und Schnarrenberger würden da eher raten, die Wünsche des Volkes zu verbessern! So funktioniert Politik! Zugegeben, Agrippina standen noch keine öffentlich-rechtlichen Medien zur Wunschkorrektur zu Gebot ...
Daß ein Weibsbild weine ist nichts Seltsames anzusehen. Was ist blöder von Kopf und schwächer vom Herzen als ein Weib? (Pater Ignatius Ertl).
Wenn das stimmt, dann dürfte dieses Plakat, welches ich nicht erst diese Woche, sondern bereits vor Ostern in einer Kirche gesichtet hatte, von einem "Weib" gemalt worden sein:
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Ei, was haben wir denn da? Ein kuscheliges Motto (wie sagte noch Pater Ignatius ... "schwächer vom Herzen"?) und einen fulminanten Schreibfehler (... "blöder von Kopf"?).
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Wenden wir uns zuerst der Orthographie zu! Diese dürfte dem hiesigen Dialekt geschuldet sein; im Badischen fällt das "n" in "Kommunion" nämlich flach. Und da das "io" zu einem eindeutigen "j" verschmolzen wird, gehen wir in Baden nicht zur heiligen Kommunion, sondern zur heiligen Kommujon. Dieses orthographische Minenfeld könnte man umgehen, indem man gleich "Heiligesbrot 2012" schreibt, was auch besser zum Motto passt.
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Einander Brot sein! Wenn dies der Kerngedanke des Weißen Sonntags sein sollte, dann könnte man Weihnachten auch auf den Austausch selbstgebastelter Geschenke (manufactum anstatt sacrum commercium!) und Pfingsten auf die Verbreitung des Zeitgeistes reduzieren. Bei der Gelegenheit: Der "Tag des deutschen Butterbrots" fällt dieses Jahr auf den 28. September. Falls niemandem ein passendes Motto dazu einfällt: Einander Brot sein!
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Kommuionkind 1: Hamm.
Kommuionkind 2: Aua! Frau Rita-Waschbüüüsch ...
Kommuionmama: Dorothea, was ist denn?
Kommuionkind 2: Noah-Emmanuel hat mich gebissen.
Kommuionkind 1: Die Dorothea ist nicht ganz gebacken!
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War sonst noch was? Ach ja, Pfarrer Schüller von der Pfarrer-Initiative hat Ostern zu diesem verschnarchten Die-Sache-Jesu-geht-weiter-Sülz "runtergeerdet"; Gähn-Exegese aus den Siebzigern. Denen fällt auch nie was Neues ein, so wie bei den "Reformen" eben, immer dieselbe ausgelutschte Leier. Vielleicht geh ich jetzt doch weinen ...?!?

1 Kommentar:

Freiburgbärin hat gesagt…

Des isch doch schön. Dann bin i Pumberniggl. Schimmligs. Und dess d Gelbfüß nedd nur mid dr Orthografie auf Kriegsfuß schdehe, isch doch bekannd.