Sonntag, 22. April 2012

Gut-Hirt-Sonntag

In diesen so wunderschönen vierzig Tagen nach Ostern, in denen uns in dem Mysterium der Liturgie, so wie einst seinen Jüngern, der Herr erscheint, um mit uns "über das Reich Gottes zu sprechen" (Apg 1,3), dürfen wir, nachdem das aufregende, blutige Drama von Golgotha vorüber gegangen ist, tiefer hineinschauen in das Geheimnis des Opfers Christi.
Im Abendmahlssaal und auf Golgotha hat es sich erfüllt, was der Heiland, kurz bevor er den Leidensweg antrat, sagte: "Ich bin der gute Hirt". Die Hirtenliebe des Herrn, deren Frucht wir in der Kommunion genießen, muß wegen dieser unserer intimsten Angleichung an ihn in der Kommunion auch in uns, die wir Christi Leben leben und Christi Opfer darbringen, Hirtenliebe bewirken und mehren.
Der gute Hirte - Glasmalerei von
Fritz Geiges, Pfarrkirche St. Johann, Freiburg
Es wird ein sicheres Kennzeichen dafür sein, daß wir die tägliche Kommunion nicht bloß äußerlich, sondern im Glauben, im Geist und in der Wahrheit empfangen haben, wenn es auch uns drängt, uns zu opfern, uns dahinzugeben, auf daß wir unseren Brüdern und Schwestern nützen und das Reich Gottes wachse. Wir nützen aber unseren Brüdern und Schwestern und helfen mit am Aufbau des Reiches Gottes durch jede Tat der Liebe.
Ist etwas vom guten Hirten in uns? Fragen wir uns in allem Ernst! Das war wohl der erste "Gute-Hirten-Sonntag", der im Reiche Gottes gefeiert wurde, als der Auferstandene dem Petrus sagte: "Weide meine Lämmer! Weide meine Schafe!" (Joh 21, 15-17). Das ist die Frucht des Opfers Christi, daß wir fähig werden, zu "weiden", Hirten zu werden (Wolfgang Czernin OSB).
 Carl Maier (Hg.): Das Gnadenjahr. Freiburg 1962. S. 268f.

Kommentare:

Wolfram hat gesagt…

Der 22. April war misericordias domini nach dem "alten" Lesekalender, den die deutschsprachigen Protestanten beibehalten haben.
Nach dem erneuerten Kalender, den (zu meinem Leidwesen, ich gebe es gern zu) auch viele evangelische Kirchen kritiklos übernommen haben, der sich in der Osterzeit auch erlaubt, das Alte Testament einfach auszublenden, nach dem erneuerten Kalender also ist Joh. 10, 11-18 erst am 3. Sonntag nach Ostern Sonntagsevangelium.

Für uns in Frankreich (die Elsässer Evangelen haben die gleichen Lesetexte wie die deutschen) war das Guter-Hirt-Thema zur Präsidentenwahl natürlich ein besonderer Hammer.

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Ach ja, die neuen Menükarten am "Tisch der Wortes" ... ;-)

Schön, mal wieder von Dir zu hören. Muß unbedingt wieder mal auf Deine Seite gucken, die - es sei gestanden und geklagt - mir letzthin etwas aus dem Auge geraten ist.