Samstag, 7. April 2012

Eine Ahnung "vom Glück der Schuld" - Karsamstag

Die Kirche hat sich am Grabe niedergelassen, um zu weinen. Sie schaut, wohin man ihren Herrn gelegt hat, wohin das Weib den Adam gebettet hat, wohin es den Menschen vergraben, wohin es den Mann durch seinen Rat gestürzt hat (vgl. Petrus Chrysologus, Serm. 80). Sie sieht es und weint.
Sie weint am Grabe des Herrn, wie der Herr am Grabe des Lazarus geweint hat: über den Tod des Menschen, über das Grab des Lebens, über die Sünde, die den Urheber des Lebens getötet hat. 
Jesus wird ins Grab gebettet -
Kreuzwegstation in der Kirche St. Blasius, Glottertal
Aber ihre Tränen fließen sanft und ruhig. Es ist nicht mehr die schmerzliche Klage des Sonntags Septuagesima, die sie erschüttert. Der Tod Adams hat am Grabe Christi seine Schrecken verloren. Der Tod des Gehorsams hat die Sünde gelöscht. Nicht mehr stürzt die "massa damnata" von Sünde zu Sünde, von Tod zu Tod hinab, sondern der Leib des Gehorsamen ruht in der Hoffnung. Eine Ahnung vom "Glück der Schuld", die "eines solchen und so großen Erlösers wert erfunden ward"... macht die Schauende (die Kirche und die Seele) ruhig und hoffnungsvoll.
Aemiliana Löhr OSB: Das Herrenjahr. Das Mysterium Christi im Jahreskreis der Kirche. 2. Band der vierten Auflage. Regensburg 1942. 63f.

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