Sonntag, 22. April 2012

Des Organisten Müh' und Plag' 1

Im außerordentlichen römischen Ritus herrscht die Gepflogenheit, die sog. Responsorien bei der Feier der Heiligen Messe mit der Orgel zu begleiten. Meines Ermessens unterstützt man damit häufig eine gewisse "Faulheit" der Gläubigen, auf die liturgischen Grußformeln anständig zu antworten. Allerdings ist das nur die eine Seite der Münze. Denn wenn der Zelebrant sich in seinen Part mehr hineinsummt anstatt ihn markant, klar und kräftig zu singen, dann fallen auch die Antworten entsprechend verschwommen aus. Der Gruß Dominus vobiscum zeigt, um es an einem Beispiel deutlich zu machen, in seiner feierlichen Version ein eigenes rhythmisches und melodisches Gefüge - die Antwort Et cum spiritu tuo nicht minder. Erfasst dies der Priester, der immerhin erst einmal den "Takt" vorgibt, nicht, dann wird das Volk in der Regel schlampig antworten, weil es im Gesang des Zelebranten kaum Orientierung findet. Anders gesagt: Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es zurück ... 
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Der Organist kann hier eingreifen. Seit geraumer Zeit versuche ich unsere Gemeinde zu trainieren, indem ich einerseits zwischen Priesterruf und Volksantwort einen kleinen Tick länger warte, als man das sonst tun mag. Die hierdurch entstehende - überschaubare - Irritation erscheint mir produktiv, da die Leute ja sowieso warten, bis die Orgel losdöppert. Wenn der "Startschuss" fällt, sich das entstandene Quentchen Spannung löst, stimmt die Gemeinde in gewisser Weise "präsenter" in die Antwort ein.
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"Hätt-ich-gern-Orgel" - St. Fridolinsmünster, Bad Säckingen
Der zweite Kniff ist streng genommen nicht neu, sondern gehört zum Rüstzeug des Organisten, der sich von den Unsitten der Gemeinde tunlichst nicht beeinflussen lassen sollte. Soll heißen: Die Antwort wird radikal durchbegleitet, ohne Rücksicht auf Nachzügler (die es trotz des oben beschriebenen Verfahrens immer geben wird) und Schnecken (also jene, die Viertelnoten grundsätzlich als Halbe betrachten und nur so singen wollen). Das setzt eine gewisse Durchsetzungsfähigkeit der Orgel voraus, in der Regel heißt das: Prinzipalplenum mit Mixtur. Damit habe ich zuletzt die besten Erfahrungen gemacht. Einem Geistlichen war das aber jetzt leider zuviel des Guten.  Mhhh.
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Damit wären wir eigentlich schon am nächsten Thema dran ... einige klagen manchmal, ich würde zu laut begleiten. Da kann sogar was dran sein, denn ich registriere gerne kräftig. Aber auch das hat Gründe - demnächst vielleicht mehr dazu.

Kommentare:

Wolfram hat gesagt…

Ich steh ja mittlerweile meist auf der anderen Seite...
und da die Organisten meist kein C-Niveau haben, bin ich derjenige, der eigentlich ihr Metier besser beherrscht als sie selbst. Was zu großer Vorsicht mahnt.
Aber ich ermutige sie eigentlich immer, kräftig und zügig den Gesang der Gemeinde zu begleiten. Und mitzusingen, dann stimmen automatisch auch die Atempausen.
Da ist nur eine junge Organistin, die sich aber eigentlich eh schon für fähig hält, den Pfarrer zu ersetzen - die kann erstens nicht besonders viel, und zweitens ist sie allen Ernstes davon überzeugt, daß ein einsamer Bourdon 8' dazu taugt, eine Gemeinde zum Singen zu bringen. Wenn es nur die üblichen Gottesdienstteilnehmer sind, geht es noch ungefähr recht ab, aber neulich bei einer Trauung, wo von 80 Leuten nur vier oder fünf die Lieder zu kennen schienen - da wäre dann mindestens der Prästant noch mal angebracht gewesen in dem kleinen Kirchlein (es war quasi voll mit den 80 Leuten). Aber die Frau ist absolut lernresistent und korrekturallergisch.
Ich bräuchte für kommenden Sonntag noch einen Organisten - Vallotton-Orgel, 52 IV+P... Interesse? ;)

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Wäre ja noch nicht mal so abgeneigt, sofern sich das Liedprogramm mehr aus dem Genfer Psalter speist und weniger aus diesem landesprachlichen Antiphonalgedöns, welches in den katholischen Kirchen Frankreichs sehr beliebt zu sein scheint ... Habe irgendwann mal in irgendeiner elsässischen Filialkirche eine Messe begleitet, wo so Sachen am laufenden Meter gesungen wurden; die Haare standen mir zunehmend zu Berge, wobei das auch an dieser Art Heimorgel mit Stummelpedal gelegen haben könnte, die dort rumstand.
Aber am Sonntag bin ich, wie immer, unter meinen Tridentinern ;-)