Samstag, 28. April 2012

Das Kind im Mann

Früher hatten wir eine Modelleisenbahn. Eine schöne kleine Landschaft mit Bahnhof, Häuschen, Kirche, Straßen, Brücke und Tunnel - dann natürlich Geleise und Weichen ... eine kleine Dampflok mit einigen Wagen war mit im Spiel, eine Diesellok samt D-Zug-Wagen brachte mir irgendwann das Christkind zusätzlich vorbei. Alles von Märklin - bis auf die alte Fleischmann-Lok, die sowieso defekt war und darob dekorativ auf einem Nebengleis stand. Der ganze Zauber ward immer nur zur Weihnachtszeit aufgestellt und für den Rest des Jahres hochkant in einem fest verschraubten Verschlag im Keller verwahrt. Das scheint mir heute kaum noch üblich: Spielzeug, an das man nur zu bestimmten Zeiten rangelassen wurde. 
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Trotz der Rationierung verschwand das Interesse mit zunehmendem Alter, wenngleich schleichend, zumal ich irgendwann (ich Depp!) die Bahn demontiert hatte, um sie prächtiger, schöner, größer wieder aufzubauen - und daran kläglich scheiterte. Zurück blieb ein Torso, an dem ich die Lust verlor.
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Nachdem mein Vater in den Zwangsruhestand abgeschoben wurde, nahm er sich der Sache nochmals an, kaufte zusätzliche Schienen, einen ICE, weitere neue Wagen, eine größere Dampflok und baute die Bahn wieder auf. Als seine Augen aber immer schlechter wurden, verkaufte er alles, keine Ahnung, warum genau. Als ich es mitbekommen hatte, war die Sache schon über die Bühne; da half auch der Protest nicht weiter, daß zumindest die Diesellok und die D-Zug-Wagen mir gehörten, schließlich hatte ich sie ja einst zu Weihnachten bekommen.
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Das alles ist jetzt auch schon wieder Jahre her. Neulich entdeckte ich bei Ebay ein als Dachbodenfund deklariertes Angebot. Just zur Tagesschau klingte es vorher an der Tür; seltsam, zu welchen Zeiten Pakete noch gebracht werden. Und drin war das:
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Wie früher: Geleise und Weichen ... und eine kleine Dampflok mit einigen Wagen ist mit im Spiel. Ich weiß nicht, ob ihr das nachvollziehen könnt, aber ich freu mich wie ein Honigkuchenpferd!

Kommentare:

Stanislaus hat gesagt…

Märklín? Bah!

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Die Transsibirische Eisenbahn kann sich halt nicht jeder leisten ...

Stanislaus hat gesagt…

Ich hatte Fleischmann. Mich hatte schon damals die meist größere Nähe zum Original fasziniert als die Phantasie-Produkte von Märklín. Mein Vater war natürlich weniger begeistert, weil er mehr auf Märklín schwor.

Severus hat gesagt…

Mann, und ob ich das nachvollziehen kann !! Ich hatte Glück, meine Märklin-Anlage steht heute noch. Und wer spielt damit?
Opa (82) !!

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Stanislaus, die Märklin-Bahnen galten, soweit ich das überblicke, als "robuster" als die Konkurrenz, schon des M-Gleises wegen. Doch in der Tat: Die vorhandene Fleischmann-Lok (zu der es vor meiner Zeit auch eine Bahn gegeben hatte) war detailreicher ausgeführt als alle vorhandenen Märklin-Sachen - aber sie war eben auch defektiös, sagen wir mal: empfindlicher, während die Märklin-Loks unverwüstlich schienen.