Montag, 23. April 2012

Das elfte Gebot

Früher war eben auch nicht alles besser! Erinnern wir uns: Da veranstaltete Gott weiland einen riesen Bohei am Berg Sinai, um ein paar ultimative Gebote an den Mann zu bringen:
Und Gott redete all diese Worte; er sprach: Ich bin der Herr, dein Gott, der dich aus dem Ägypterland, aus dem Frönerhaus, führte. / Hab keine andern Götter neben mir! Mach dir kein Bild noch Abform dessen, was im Himmel droben oder auf Erden unten oder im unterirdischen Wasser ist! / Wirf dich nicht davor nieder! / Diene ihnen nicht ... usw. Und alles Volk ward inne der Donnerschläge, der Blitze, des Posaunenschalls und des rauchenden Berges (Ex 20, 1 - 18).
Was passierte da genau? Gott zählte bis zehn, rundete die Szene mit einer prickelnden Show ab und vergaß - das elfte Gebot! Das ist so, wie wenn Angela Merkel ihre Weihnachtsansprache hielte, brennende Kerzen am Baum, dazu die aufmunternd deprimentöse Mimik unserer Bundeskanzlerin ... und am Ende vergäße sie, uns - alle Jahre wieder - darauf einzuschwören, daß alles zwar irgendwie immer schwieriger, aber deswegen auch immer schöner werden würde. 
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Gott sei Dank gibt es neben Gott, Angela Merkel und dem evangelikalen Infodienst Medrum aber noch die evangelische Kirchengemeinde Köln, Bezirk Luther-Süd, und David Berger. Letztere helfen aus der Patsche und reichen das elfte Gebot in Kürze nach. Hierzu tut sich Berger bei einem "Festival für Multipolarkultur" mit dem Musiker Mave O'Rick zusammen. Hier einige leckerer Häppchen von der Homepage des Festivals:
Kompromisslos deckt David Berger die Widersprüche der erzkonservativen katholischen Kirchenpolitik auf. Mit seinem Outing und dem folgenden Bestseller „Der Heilige Schein“ avanciert er zum „andersartigen“ Vordenker des Widerstandes gegen die Regeln der katholischen Kirche.
Mave O’Rick präsentiert extra arrangierte Albumsongs, und David Berger liest Textpassagen aus seinem Buch und erzählt Anekdoten aus seinem Leben im erzkonservativem katholischen Milieu. Das Ziel der Veranstaltung: die Erkenntnis des fehlenden 11. Gebots „Du sollst frei sein.“
Textpassagen aus dem Buch und Anekdoten aus dem Leben? Na wenigstens zeigt er keine selbstgebastelten Nacktbilder. Laut Medrum - wo die diese Info ausgegraben haben, kann ich allerdings nicht recht nachvollziehen - mündet die Veranstaltung übrigens in "eine Afterparty supported by Silberschwein" - was mich an eine mittelalterliche Bildtradition erinnert, die den Herrn der dreißig Silberlinge mit hervorquellendem Gedärm an einem Baum sieht, an welchem sich dieser freiwillig aufgehangen ...

1 Kommentar:

Freiburgbärin hat gesagt…

:)
Der ist gut.
Ersetzt aber noch nicht Deinen Wochenrückblick.
Ich brauche heute mehr zur Aufheiterung.