Mittwoch, 11. April 2012

Auf Erkundung ... die Bruderklausenkapelle zu Etzgen

Von der Osternacht in der Bruderklausenkapelle in Etzgen hatte ich bereits geschrieben. Zur Kapelle selbst will ich nun noch einige "Denkwürdigkeiten" nachreichen, denn dieses Gotteshaus beschreibt auch ein Stück Zeitgeschichte. Mit ihm wurde ein Gelöbnis eingelöst. 
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Etzgen ist eine Grenzgemeinde, nach Deutschland ist es -  rasch über den (Hoch-) Rhein - fast ein Katzensprung. Von der Erhebung, auf der die Kapelle errichtet wurde, hat man einen schönen Blick auf Lüttingen; mithin rüber ins Deutsche.
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Entsprechend war die Anspannung in der Region nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs 1939. Die Schweizer Armee marschierte im Grenzland auf und die Furcht, deutsche Truppen könnten zu einer Invasion auch in der Schweiz ansetzen, war gewaltig. Orte wie Etzgen wären davon als erste betroffen gewesen. Unter diesen Vorzeichen gelobten die Etzger dem seligen Bruder Klaus, ihm zu Ehren eine Kapelle zu bauen, "wenn unser Land auf Deine Fürbitte hin vom Kriege verschont bleibt", wie es in der Gelöbnisformel heißt. Ende August 1949, zehn Jahre nach Beginn der Krieges, wurden Glocken und Kapelle geweiht.
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Der Innenraum empfängt seine Prägung vor allem durch ein großes Wandbild hinter dem Altar: "Bruder Klaus als Fürsprecher des Volkes beim Gekreuzigten". Ausgeführt wurde es durch den Kirchenmaler und Grafiker Augustin Meinrad Bächtiger (1888 - 1971; nähere Informationen zu diesem Maler hier).
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Ein wenig erinnert mich dieses Bild an "sozialistischen Realismus"- quasi ein katholisches Pendant dazu. Die Inszenierung samt volkstümlichem Einschlag kommt recht pathetisch, aber keineswegs kitschig daher. Ich meinesteils würde dieses Bild - angesichts anverwandter Werke jener Zeit, die mir bislang unter die Augen gekommen sind - sogar den gelungensten Arbeiten jener Epoche zuzählen. Besonders interessant fand ich ein Detail in der rechten Bildhälfte:
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Das Motiv ist hin und wieder in schweizerischen Kirchen zu finden. Der Soldat auf Wache, in diesem Fall wohl ein Angehöriger jener Einheit, die damals am Rhein stand und deren Standarte in der Kapelle gleichfalls aufbewahrt wird. Die Kapelle ist also auch militärhistorisch interessant. Bei genauerem Hinsehen ist der "Aktivdienstler" (so ein damaliger Begriff für die zur Wehr gerufenen Soldaten) ...
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... mit einem Karabiner bewaffnet (wahrscheinlich ein K98) und blickt über den Rhein auf jenen Ort, der ...
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... oben im Bild bereits zu sehen war: Unschwer ist der Turm der auf deutscher Seite gelegenen Lüttinger Kirche auszumachen. Hinter dem Berg erleuchten Flakscheinwerfer einen düster umwölkten Himmel.
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Man könnte jetzt lange und gelehrte Theorien über nationale Mythenbildung anstellen oder die üblichen Theorien über die Schweiz im Zweiten Weltkrieg bilden. Dabei übersieht man aber allzu rasch die Not und Furcht der Menschen vor dem Krieg und die Dankbarkeit, nachdem dessen Verheerungen abgewandt waren. Auch das sind alles "Steine", mit denen diese Kapelle erbaut worden ist. Und man übersieht die Aktualität der Botschaft des hl. Bruder Klaus ...
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bruderklausen.ch  

1 Kommentar:

Freiburgbärin hat gesagt…

Vielen Dank für Deine kirchliche Heimatkunde. Falls ich mal wieder länger in Sankt Märgen bin, werde ich mit Sicherheit einige Kirchen besuchen.