Mittwoch, 4. April 2012

Auf Erkundung ... bei Ottilia, Martin und Johannes

Da hat man mal ein paar Tage rund ums Osterwochenende frei, und schon wabert eine Regenfront durch die Gegend. Sei's drum. Heute morgen habe ich mich dennoch in einen dieser Landbusse gesetzt, die Dörfer rund um Freiburg abklappern, um einige Kirchen in Augenschein zu nehmen. Erste Station war Bremgarten. Bis Ende 1992 operierte von dort aus das Aufklärungsgeschwader 51, die sogenannten "Immelmänner". Heute erweckt das Dorf einen ziemlich verschnarchten Eindruck, die Kirche St. Stephan war dicht, woran auch eine Sperrholzinstallation auf dem Kirchhof mit der Aufforderung "Kommt und seht" nichts änderte.
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Zwanzig Minuten später saß ich wieder im Bus, nächstes Ziel: Hartheim am Rhein mit der Kirche St. Peter und Paul. Auch diese ... verriegelt und verammelt. Zu Fuß gings dann im Nieselregen nach Feldkirch, da ich keinen Bock drauf hatte, eine Dreiviertelstunde auf den nächsten Bus zu warten. Und was stand da nächst dem Friedhof am Ortseingang? Und war sogar zugänglich? Eine Ottilienkapelle ...
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Feldkirch im Breisgau, Ottilienkapelle--
Die heilige Ottilia (auch: Odilia) gründete um 690 das später nach ihr benannte Kloster auf dem Odilienberg im Elsaß, bis heute ein beliebter Wallfahrtsort am Oberrhein. Der Legende nach wollte Herzog Eticho, ihr Vater, die blind geborene Ottilia töten lassen. Ottilias Mutter Bethsvinda konnte dies verhindern und gab das Mädchen in ein Kloster.
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Bei ihrer Taufe sei Ottilia sehend geworden, weswegen Sie in der Regel mit einem Kelch oder einem Buch, auf dem zwei Augen ruhen, dargestellt und bei Augenleiden angerufen wird. 
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Die Pfarrkirche von Feldkirch ist dem hl. Martin geweiht. Während das benachbarte Hartheim bereits 772 im Lorscher Codex erwähnt wird, taucht "Veltkilcha" erst um 1160 in Dokumenten auf. Die Kirche dürfte zumindest zu Teilen aus dieser Zeit stammen, die unteren zwei Drittel des sehr starkwandigen Turms, der annähernd so breit ist wie das Kirchenschiff, verfügen zum Beispiel über einen ausgesprochenen Wehrturmcharakter.
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Feldkirch, Pfarrkirche St. Martin
Innen bekommt man es mit einem schönen ländlichen Kirchenraum zu tun; das Presbyterium verfügt über eine auffällige Tiefe; die nachkonziliare Zusatzmöblierung mit der überbreiten Zelebrationstheke stört natürlich die Raumwirkung gewaltig. Die links zu sehende Seitenempore hinterläuft den Chorbogen und setzt sich im Altarraum fort, ursprünglich vielleicht als "Loge" für den Landadel eines nahegelegenen Schlosses konzipiert. 
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Der verhältnismäßig fein ausgearbeitete Hochaltar steht in einem starken künstlerischen Kontrast zu den eher rustikal Seitenaltären. Es handelt sich um einen Josephsaltar - das gehaltvolle Altarblatt zeigt den Tod des hl. Joseph: Dieser stirbt in den Armen Jesu, der mit der Hand zum Himmel weist, und betrauert von Maria. Im oberen Bereich der Darstellung schwebt der Heilige Geist in Gestalt einer Taube; das Szenario wird - auch trinitarisch - vollendet im Auszug des Altars mit der Darstellung von Gott-Vater. Im Übergang zum Auszug verrät eine Roncaille den Sinn des Geschehens: Mors porta vitae - "Der Tod ist die Pforte des Lebens" (wie immer: zum Vergrößern auf die Bilder klicken). 
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Aufgrund der durchkomponierten und für eine Martinskirche als Hochaltar eher ungewöhnlichen Altarthematik und weil ich einen sehr ähnlichen Altar schon in einer anderen Kirche der Region gesehen habe, welcher entweder, so recht weiß ich das nicht mehr, im Zuge der Säkularisation aus einem Freiburger Kloster verfrachtet wurde oder in Folge der Entbarockisierung des Freiburger Münsters seinen Standort wechselte, nehme ich mal an, daß dieser Altar auf ähnlichem Weg nach Feldkirch gekommen ist. Interessant am Rande, daß das Allerheiligste heute bereits entfernt und der Altar entblößt war. Auf das nahende österliche Triduum verwies im Kirchenschiff auch diese Heilig-Land-Grünanlage, bei der ich unwillkürlich an Harald Schmidt und dessen Playmobilfiguren denken mußte ...
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Gethsemane, Stadttor, Kreuzweg, Golgotha, Grab
Das letzte Gotteshaus auf der heutigen Tour was St. Johannes Baptist in Hausen an der Möhlin, einer der wenigen Kirchen mit Zwiebelturm hierzulande. Die Kirche wurde 1791 konsekriert und bietet, was man von außen nicht unbedingt erwarten würde, innen einen weitläufig erscheinenden und lichten Kirchenraum.
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Hausen an der Möhlin, Pfarrkirche St. Johannes
Nun ja, wie nennt man sowas? Sparbarock? Der Aufbau rund um das Altarblatt ist jedenfalls, wie unschwer zu erkennen, nur aufgemalt, erzielt aber eine ganz eigene reizvolle Wirkung. Was wirklich Not tut, wäre eine ordnende (und vorzugsweise entrümpelnde) Hand angesichts von Stuhlreihen und jeder Menge Grünzeug im Chorraum.
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Abschließend noch ein Gruß an den bzw. vom Kirchenpatron, das Patrozinium soll übrigens vom Umstand herrühren, daß die Möhlin früher unmittelbar an der Kirche vorbei gluckerte ...
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