Sonntag, 25. März 2012

Wie man die Verkündigung tunlichst nicht malen sollte ...

Mehrmals vergreifen sich die Maler, wann sie sollen die höchstgebenedeite Mutter Gottes vorbilden. Da sollten sie all ihre Macht aufbieten, daß Gott und sein werte Mutter recht vorgestellt wurde. So geschicht aber auch da vielfältig das Widerspiel. Muß etliche Muster ihres ungeschickten Pensels anziehen.
Wie malen sie den Englischen Gruß? ... ungereimt gnug. Vor dem Engel Gabriel geben sie Mariä einen Beter in die Hand, gleich als hätt sie eben am Rosenkranz gebet, wie ihr der himmlische Botschafter erschien. Reim dich oder ich werf dich die Stiegen ein!
Wie hats den Rosenkranz beten können, von dem man dazumal noch nichts gewußt? Hat nicht Christus erst lang hernach das Vaterunser vorgeschrieben und noch später aus des Engels Gruß die Kirch ein formlichs Gebet gemacht? Zudem, wie hat sie den Rosenkranz beten sollen? Sie hätt ja sich selbst müssen anrufen und verehren. Wer kann aber zu solchen Händeln ja sagen!
Da Maria ihren Willen drein geben und gesagt: Ich bin ein Dienerin des Herrn, mir geschehe nach deinem Wort, ist in ihrem heiligen jungfräulichen Leib augenblicklich Gott Mensch worden, so nachmals in ihr fort und fort, wie andre Kinder gewachsen, bis er gar die Welt sichtbarlich bezogen. Dies wollen die Maler bedeuten, wenn sie eben die Hochheilige Dreifaltigkeit vorstellen, von dannen in schönen Strahlen ein bloßes Kind herabfährt, als wollte es dem heiligen, jungfräulichen Leib zureisen. 
Wer sieht aber nicht, daß man mit diesem fleischigen Kind, so vom Himmel herab Mariä zufliegt, Tür und Tor eröffnet den alten, heillosen Ketzern, so man die Valentiner, Apollinaristen und Gnosticos genennt, welche vorgeben, Gott hab ein himmlischen und göttlichen Leib schon mit sich herabbracht und seie mit solchem in den jungfräulichen Leib hinein, wie Epiphan erzählt und Iren, auch Justin. Wann dem also sein soll, so kunnt ja Maria kein Mutter sein, weil sie ihr Fleisch und Blut nicht hergeben hätt, sondern den ganzen himmlischen Leib Christi von Himmel herab empfangen, so aber ein handgreifliche Ketzerei ist.
Ferners mit diesen Gemäl wurd man auf ein neues dem schon längst zu Augustini Zeiten verdammten Ketzer Appelles und seiner höllischen Rott die Stangen halten, als hätt er gar recht geredt, daß er gesagt und ausgegeben, Christi Leib sei aus den vier Elementen, nicht aber aus dem Fleisch und Blut Mariä zusammengericht, daß er also mehr ein fantastischer als ein wahrer Leib zu nennen. 
Darneben so findt man noch heut hin und her solche Gemäl auch in großen Altären und was mehr ist, auch bei denen, die kräftig meinen, mit ihnen wären alle Wissenschaften erwachsen, mit ihnen sollen alle zugleich absterben, andere wären gegen ihnen greit nur lauter Pfifferling (...).
Ach, so helf Gott dem ärgerlichen Künstler, der solches Bild bei sich behalten und andern gewiesen! Es wird heißen: Sanguis ejus de manu tua requiretur, sein Verderben wird auf deine schlimme Hand gelegt werden, mit der du solches Bild verfertigt oder aufgehängt. Also wirds dem Hehler gehen wie dem Stehler, dem Räter wie dem Täter. So von uns gnädig abwenden wolle, Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist! Amen. 
Andreas Strobl (1641 - 1706), zuletzt Pfarrer in Buchbach 
Georg Lohmeier (Hg): Geistliches Donnerwetter. Bayerische Barockpredigten. München 1967.

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