Dienstag, 20. März 2012

Neues vom Nachttisch: Kult

Was Odo Casel OSB (1886 - 1948), seines Zeichens liturgischer Beweger und Vater der Mysterientheologie, wohl zu diversen aktuellen liturgischen Bewegungen (ich denk da mal an Schweinfurter Pappnasenmessen und dergleichen) sagen würde? Ich werd's wohl vorerst nicht erfahren. Aufgrund meiner aktuellen Bettlektüre vermute ich aber, daß sich Casel die Früchte der liturgischen Bewegung etwas anders vorgestellt hat ...



Kostprobe?

Es gibt keine Religion ohne Opfer. Religion ist die Ordnung zwischen Gott und Kreatur. Gott neigt sich zum Menschen hinab, und der Mensch steigt zu Gott empor. Diese Wechselbeziehung wird ausgedrückt und bewirkt im Opfer. Das Opfer wird Gott dargebracht; indem Gott es annimmt und in seinen Besitz übernimmt, heiligt und weiht er die Opfergabe. Ist der Opferer von Sünde befleckt und dadurch am Opferdienst gehemmt, so muß das Opfer zunächst Sühne sein. Es vollzieht sich daher in diesem Falle in Form einer vorausgehenden Reinigung, durch die das Opfer erst annehmbar wird. "Ohne Blutvergießen kein Nachlaß" (Hebr 9, 22) und kein Opfer des sündigen Menschen. Das durch die Sühne gereinigte Opfer kann zu Gott emporsteigen. Letzte und eigentliche Hingabe ist der Mensch selbst, d. h. die volle Hingabe seines freien Liebeswillens an Gott; denn dieser allein ist eine Opfergabe, die in dieser Weise Gott noch nicht gehört. Der Mensch will ja zu Gott emporsteigen und von ihm geheiligt werden. Nur wo der Mensch nicht selbst Opfer sein will oder kann, nimmt er einen Ersatz. So war es bei den Juden und Heiden. Im Christentum wurde die ursprüngliche reine Opferidee wiederhergestellt dadurch, daß der erhabenste Vertreter des Menschengeschlechtes, der Gottmensch Jesus Christus, sich selbst am Kreuze Gott als Ganzopfer darbrachte.
Christus ist Gott gegenüber Vertreter des Menschengeschlechtes; da er aber zugleich Gott und Gottes Sohn ist, steht er der Menschheit als Gesandter des Vaters gegenüber. Ein bloßer Mensch hätte Gott kein wohlgefälliges Opfer darbringen können. Auch im Paradiese war Adams Liebesopfer Gott nur angenehm, weil Gottes Pneuma in Adam war und dieser so Gott das Seinige zurückgab. Erst recht konnte seit der Sünde der Mensch kein Opfer mehr darbringen. Wohl nahm Gott Abels und der andern alttestamentlichen Frommen Opfer an, aber nur im Hinblick auf das kommende Opfer Christi ...

 Odo Casel: Das christliche Kultmysterium. Regensburg 1935.

Kommentare:

Freiburgbärin hat gesagt…

Der Nuntius Eugenio Pacelli hat die liturgische Bewegung (Casel und Guradini aus Maria Laach etc) zu recht 1929 kritisiert: „Besagte Bwegung übertreibt die Bedeutung der Liturgie, indem sie die äußeren Formen gleichsam an die Stelle des wesentlichen Inhaltes des katholischen Glaubens setzen will.“ Auch in den 30igern sind die Aktivitäten in Maria Laach Gegenstand herber Kritik des Kardinalstaatsekrätärs Pacelli.
Aus: Das 2. Vatikanische Konzil, eine bislang ungeschriebene Geschichte.

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Werde irgendwann mal was zum Spannungsfeld Liturgische Bewegung, Liturgiereform und Alte-Messe-Revival schreiben ...