Donnerstag, 22. März 2012

Liturgische Bewegung - kann man da mitturnen?

Leserinnen und Leser, die mein Vorgängerblog kennen, wissen, daß ich "rituell" vornehmlich "außerodentlich-römisch" gepolt bin; entsprechend fühle ich mich in der Ecclesia-Dei-Welt eher wohl als im "Gottesdienst mit Eucharistiefeier" (so heißt das seit einiger Zeit in einer Baselbieter Pfarrei im Gegensatz zum vermeintlich gleichwertigen "Gottesdienst mit Kommunionfeier"). Also: die Meßordnung Pauls VI. ist nicht unbedingt mein Ding. Neben einigen Reformen, die ich ganz gelungen finde, gibt es vieles, was meiner Ansicht nach früher schlicht besser war.
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Und da ich zudem einerseits dem Überraschungsei-Alter entwachsen bin und mir andererseits nie sicher sein kann, was in dieser oder jener Pfarrei gerade liturgisch en vogue ist, halte ich eine gewisse, sagen wir mal, emotionale Distanz. Meine Prägung durch die Priesterbruderschaft St. Pius X., mit der ich einen guten Teil meiner Jugend verbracht habe, spielt da sicher auch eine Rolle. Daß dies alles keineswegs heißt, die besseren Katholiken turnten automatisch dort oder bei Ecclesia Dei rum, versteht sich von selbst.
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Als ich hier nun meine Schlafzimmertüre einen Spalt auftat und meine aktuelle Nachtschrank-Lektüre präsentierte, schrieb mir Freiburgbärin kurzerhand einen Kommentar, genauer: eine gewiß interessante Neuerscheinung des Sarto Verlags (eine Veranstaltung der Piusbruderschaft), ins Stammbuch:
Der Nuntius Eugenio Pacelli hat die liturgische Bewegung (Casel und Guardini aus Maria Laach etc) zu recht 1929 kritisiert: „Besagte Bewegung übertreibt die Bedeutung der Liturgie, indem sie die äußeren Formen gleichsam an die Stelle des wesentlichen Inhaltes des katholischen Glaubens setzen will.“ Auch in den 30ern sind die Aktivitäten in Maria Laach Gegenstand herber Kritik des Kardinalstaatsekrätärs Pacelli. Aus: Das 2. Vatikanische Konzil, eine bislang ungeschriebene Geschichte.
Wer nun, wie weiland ich zum Beispiel, aus der Pius-Ecke kommt, kennt die Vorbehalte, welche der "Liturgischen Bewegung" mitsamt deren Stichwortgebern und Protagonisten häufig entgegen gebracht werden. 
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Hat sich nicht Romano Guardini, nach eigenen Angaben dieser Idee zuerst sehr abgeneigt und hernach davon sehr angetan, von Johannes Pinks zur Zelebration zum Volk hin überreden lassen? Von jenem Pinsk, der einerseits beim Wiederaufbau seiner kriegsversehrten Berliner Pfarrkirche Mater Dolorosa einen Volksaltar fest installieren ließ und andererseits sich weigerte, in einer anderen Pfarrei eine Vertretung wahrzunehmen, weil die dortige Gemeinde anstelle gregorianischen Chorals nur deutsche Kirchenlieder singen konnte? Und was ist mit dem Klosterneuburger Chorherren Pius Parsch, der gleichfalls im Rahmen seines "Volksliturgischen Apostolats" die celebratio versus populum übte und zudem sich für volkssprachliche Elemente in der Liturgie aussprach? Wie steht es mit Theodor Schnitzler, der (Die Messe in der Betrachtung) wunderbare Bändchen zur Liturgie schrieb und später als Liturgiker die Liturgiereform nach Kräften beförderte? 
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Oder eben der Benediktiner Odo Casel, über dessen Mysterientheologie der eine Teil der Fachwelt raunt, sie habe die große Liturgieenzyklika Mediator Dei von Pius XII. ungemein befruchtet, während der andere Teil die These vertritt, Pius XII. habe ihm damit ungemein eins über die Rübe gezogen? Jener Odo Casel, den manche gerne als Leitstern über der Liturgiekonstitution Sacrosanctum Concilium schweben sehen ... wobei ich glaube sicher sein zu dürfen, daß Casel angesichts der mancherorts herrschenden realexistierenden Improvisationitis auf schnellstem Weg wegschweben und die Kurve kratzen würde ...
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Fragen über Fragen, demnächst mehr dazu ...

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Darauf freue ich mich schon...

ed hat gesagt…

Vor Längerem hatte ich mich durch Bugninis "Die Liturgiereform" geackert und war dabei erstaunt, wie eng verbunden seine Einstellungen mit den hier genannten Personen ist, die er alle als Vorläufer/Mitverursacher der Liturgiereform hält.
In einem sehr interessanten Vortrag, der auch auf die genannten Personen eingeht (auf zugegeben polemische Art) von Hw. DDr. Gregor Hesse setzt deswegen auch den Beginn des Novus Ordo in die Zeit von Papst Pius XII. Der Vortrag ist in jedem Fall interessant, insbesondere wenn man im Hinterkopf behält, dass der Priester der FSSPX. nahe stand:
http://de.gloria.tv/?media=123925

Johannes hat gesagt…

"Fragen über Fragen, demnächst mehr dazu ..." Bin freudig gespannt. Willkommen mit Deinem neuen Blog in meinem erneuerten Blogroll :)